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Die 18. Woche (13. Feb.)

Dienstag, 13. Februar. 128. Tag: Diegos Duellanten, Dienstag, Donnerstag, Deutschland.

10:30 Uhr.

Und wieder ein Eintrag... Der letzte vor den Ferien, vorerst der letzte aus Frankreich! Und wieder eine Alliteration...!

Diegos Duellanten

Das Spiel Frankreich – Argentinien (daher Diego Maradonnas argentinische Landsmänner im Duell gegen Frankreich) war ja wohl nicht so der Bringer. Argentinien schießt nach 15 Minuten das 1:0, und das ist dann auch der Endstand... Dementsprechend waren die Zeitungen auch der Meinung, dass Frankreich noch einiges an Arbeit vor sich hat... Ich bin im Nachhinein froh, dass ich doch nicht da war!

Ich bin dann auch am Donnerstag nicht breit grinsend durch die Gegend gelaufen, denn erstens hatte ich ja auf 3:0 für Argentinien getippt (1:0 wäre vielleicht mein Halbzeittipp gewesen), und zweitens wollte ich nicht noch irgendwelchen Unmut auf mich ziehen...

Dienstag

Sportlich ging es jedenfalls schon am Dienstag zu.

Ich hatte erzählt, dass ich Schiedsrichterkarten kaufen wollte (was nicht klappte). Aber hatte ich auch erwähnt, wozu ich die brauche? Ich weiß es nicht, deswegen hier eine kurze Erklärung: In meinen lauten Klassen habe ich die Schnauze voll; dass einige dauernd quasseln. Deswegen läuft das jetzt folgendermaßen:

Schüler quasselt: mündliche Verwarnung
Schüler quasselt weiter: gelbe Karte
Schüler quasselt immer noch weiter: rote Karte

Die rote Karte bedeutet nicht, dass er duschen gehen kann, sondern zum C.P.E., dem Conseiller Principale d’Education (holprig übersetzt etwa „Haupterziehungsberater“) geschickt wird. Der verhängt dann weitere Strafen (Nachsitzen etc.). Die Drohung hat eigentlich bisher immer funktioniert.

Eigentlich.

Bisher.

Am Dienstag kam dann der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte (frz.: „la goutte qui fait déborder le vase“). Ein Schüler holte sich erst seine mündliche Verwarnung ab, dann bekam er die gelbe Karte, und schließlich, als er weiter störte, sah erst ich rot, dann er.

Ich zeigte ihm also die rote Karte und verlangte, sein Schülerheft zu sehen, um ihn dann zum C.P.E. zu schicken. Da fing er doch tatsächlich an, mit mir verhandeln zu wollen!!! Er setzte sich von sich aus ganz noch hinten und versprach ruhig zu sein! Ich habe mich nicht darauf eingelassen. Ich hatte die Regeln in der Stunde am Anfang nochmals wiederholt. Er kannte sie also, und er hat sie gebrochen. Ein Sechzehnjähriger ist meiner Meinung durchaus dazu in der Lage, in einem solchen Fall die Konsequenzen abzuschätzen – und zu tragen.

Der Schüler ist letztlich also beim C.P.E. gelandet. Welche Strafe die Dame ihm dann aufgebrummt hat, weiß ich nicht. Es ist mir auch (ehrlich gesagt) schietegal.

Denn für mich liegt der Hase in einem ganz anderen Pfeffer (häh?!).

Ich hasse es, solche Maßnahmen anzuwenden. Ich hasse es, dazu gezwungen zu werden, solche Maßnahmen anzuwenden. OK, wie gesagt, der Schüler kannte die Vorgänge und die Konsequenzen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich als „Lehrer“ (haha... eher als angehender Lehrer) versagt hätte. Ich meine, ich habe damals die rote Karte gebastelt, in der Absicht, sie nie benutzen zu müssen.

Ich meine, wenn ich wüsste, dass ich meine Freischüsse verbraucht habe, ich hätte meinen Schnabel gehalten! (Mündliche BWL-Püfungen klammere ich da jetzt mal aus...)

Jedenfalls war ich hinterher ziemlich sauer.

Aber vielleicht war es auch ganz gut, dass ich mal die ultima ratio angewendet habe, denn jetzt wissen die Schüler wenigstens, dass ich dazu auch in der Lage bin und es keine hohle Drohung ist. Trotzdem bin ich nicht sehr glücklich darüber. Wahrscheinlich muss ich mir als Lehrer da ein dickeres Fell zulegen. Ich meine, ich nehme es ja icht persönlich. Aber wenn die Schüler zu weit gehen, ist das nicht meine Schuld, oder?

Ich habe diese Klasse erst nach den Ferien wieder. Ich harre der weiteren Entwicklung.

Donnerstag

Auch dieser Tag war anstrengend für mich. Ich sollte alleine unterrichten, da meine Lehrerin an einer anderen Schule war und bei einem Projekttag oder so mitgeholfen hat. Die Schüler in der ersten Stunde waren kontrollierbar, da sie eine Klassenarbeit geschrieben haben.

Die Schüler in der 4. Stunde sollten eigentlich Referate vorbereiten, haben aber lieber Quatsch gemacht. Mir egal, dachte ich bei mir, entweder sie müssen es dann zu Hause nacharbeiten, oder sie kriegen das Resultat dann entsprechend in der Note mitgeteilt.

Die Schüler in der 6. Stunde waren nicht zu zähmen. Handylärm, Gequassel... ich hatte Kopfschmerzen, als die Stunde vorbei war. Auch ich konnte mich bei dieser Klasse nicht durchsetzen...

Die 8. Stunde fiel aus, weil die 3 Schüler, die ich hätte haben sollen, keinen Bock hatten und beschlossen nicht zu kommen. Das fand ich richtig Scheiße, denn natürlich hatte ich wieder etwas vorbereitet, um ihnen bei der Vorbereitung zum Abi zu helfen... An diesem Zeitpunkt wurde ich ein wenig grantig.

Als ich dann beschloss, nach Hause zu fahren, fing es genau in diesem Moment an zu regnen.

Das war nicht mein Tag – und er wurde nicht besser...

Abends lag ich dann mit dicker Erkältung im Bett... kein Wunder: Die letzten Tage hier waren kalt, nass, windig – absolut „iibah!“ halt. Und wenn man dann zusammengepfercht im RER steht, wo jeder zweite hustet, rotzt, schnieft, niest... und sich anschließend wieder an einer der Stangen festhält – nun, dann weiß man, wo man seine Erkältung herhat. Es ist ein wenig wie im Papstwitz: „Der Papst ist erkältet, aber sie wissen noch nicht, welcher Flughafen es war...“

Dieser Donnerstag war jedenfalls nicht mein Tag.

Deutschland

Wie eingangs erwähnt, sind ab Samstag wieder Ferien in Frankreich. Das heißt, dass ich wieder für ein paar Tage nach Deutschland zurückkehre. Am Freitag lande ich voraussichtlich um 10:15 Uhr in Hannover (vorausgesetzt, am Flughafen gibt es nicht wieder so ein Chaos wie vor Weihnachten). Die beiden Wochenenden werde ich wohl in Osnabrück verbringen, die Tage dazwischen bei meinen Großeltern, und am 01. März fliege ich wieder zurück nach Paris.

Da ich ab heute auch nicht mehr in meiner Wohnung bin, bitte ich, von Anrufen dort abzusehen. Ich bin in dringenden Fällen über meine bekannte französische Handynummer zu erreichen.

Das wäre es erst einmal wieder aus Frankreich. Wir sehen uns oder hören uns in Deutschland!

Liebe Grüße,


Ralf
13.2.07 11:34
 



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