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Die 21. Woche (20. Mrz.)

Dienstag, 20. März. 150. Tag: Ärger mit der RATP, Terrouristen, Videohandyvideo 2. Teil, 2LV1, Seine-Romantik, Enjoll, TOTO.

09:45 Uhr.

Hossa, aber diesmal könnte er länger werden, der Eintrag. „Auf, auf, Verdammte dieser Eeeerdee....“

Ärger mit der RATP

Ja, heute Morgen war es mal wieder soweit. Ich stieg nichts Böses ahnend in meinen RER am Gare de Lyon und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Und sie kamen.

In Maisons-Laffitte kam dann die charmante Durchsage, dass hier nun Endstation sei, denn wegen einer „havarie de materiel à Achères-Ville“ könne der Zug nicht weiterfahren. Man bat uns höflich, jedoch sehr bestimmt, den beheizten Zug zu verlassen. Das feuerte natürlich den Unmut einiger Reisender an – unter anderem auch meinen. Allerdings stand neben mir ein Herr, der richtig die Schnauze gestrichen voll hatte:

„C’est la troisième fois cette semaine. Et je suis en retard au boulot. Ma femme me fait la gueule parce que je ne rentre chez nous que pour dormir!!!“

Übersetzt etwa: „Das ist jetzt das dritte Mail diese Woche! Und ich komme zu spät zur Maloche. Meine Frau hat eine Scheißwut, weil ich nur noch zum Schlafen nach Hause komme!!!“

Obwohl ich ob dieses Kommentars innerlich laut lachen musste, so konnte ich seine Unzufriedenheit doch gut verstehen. Ich meine, es war ja überhaupt nicht kalt draußen, so um die 5 Grad Celsius, und ein leichter Schneestaub lag auf dem Boden. (Man achte auf den ätzenden Zynismus in diesem Satz.) Und zum Glück hatte ich auch gaaaar keine Kopien und Ausdrucke vorzubereiten. (Ätzender Zynismus.)

Aber sehen wir das ganze mal anders: Es ging hier immerhin um eine Havarie! Was würde uns bei der Ankunft im Bahnhof von Achères erwarten? Ein ausgebrannter und geplünderter Zug? Leichenberge? Pöbel mit Mistgabeln? Warlords, die nach dem Zusammenbruch jeglicher demokratischen Strukturen ihre Macht sichern wollten und mit Hilfe von bewaffneten Milizen strategisch günstige Punkte (wie den überteuerten Snackautomaten) besetzten?

Irgendwann spuckte auch ein zweiter Zug seine Gäste in Maisons-Laffitte aus, der dritte fuhr in eine andere Richtung, und der vierte in Richtung Achères nahm dann wieder Fahrgäste auf. Nach also knapp 20 Minuten auf dem kalten Bahnsteig dort schien es weiter zu gehen. Der Zug fuhr los, die Spannung stieg.

Zusätzlichen Zündstoff bekamen diese Horrorszenarien durch einen theatralisch sehr passend gesetzten unplanmäßigen Stopp mitten auf den Gleisen zwischen Achères und Maisons-Laffitte. Und dann rollte der Zug weiter. Und was erwartete uns am Bahnhof?

Nichts.

Keine Leichenberge, kein geplünderter Zug. Nur noch mehr Menschen, die sauer waren, dass keine Züge fuhren.

Ich beeilte mich also, in meine Schule zu kommen (zum Glück kam gerade ein Bus), jagte schnell ein paar Ausdrucke durch den Drucker und nudelte ein paar Kopien ab. Dann, mit etwa fünf Minuten Verspätung, betrat ich den Pausenhof, wo meine Schüler bereits meine Abwesenheit feierten. Dementsprechend war ihre Begeisterung, als sie mich dann doch noch ankommen sahen.

Ja, so wird man gerne begrüßt...

Terrouristen

Wir Pariser haben es schon nicht leicht. Da wohnen wir zwar hier in dieser wunderbaren Stadt, haben aber dauernd mit den Terrouristen zu kämpfen.

Ein Beispiel gefällig?

Ich befand mich in der Métro auf dem Weg zum Gare de Lyon, in der 5 kurz vor dem Gare d’Austerlitz, um genau zu sein. Dort stieg auf einmal eine Horde von Skandinaviern ein. Mit Gepäck natürlich. Und „parkten“ mich ein.

Das war an sich schon mal nicht sonderlich angenehm; alleine zwischen lauter Wikingern eingepfercht zu werden, die eine leichte Alkoholfahne hatten. Richtig unangenehm wurde es zwei Stationen später, an der Bastille, als ich aussteigen musste: Ich kam nämlich nicht raus! Ich war gezwungen, über Taschen, Bänke und andere Pariser hinweg zur nächsten Tür zu klettern, um nicht noch eine Station weiter zu fahren.

Wir arme Pariser... :-)

Videohandyvideo 2. Teil

Bevor jetzt irgendwelche falschen Hoffnungen geweckt wurden: Nein, es gibt keinen 2. Teil von dem Video. Es soll lediglich gezeigt werden, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist.

Ich habe jetzt inzwischen die ganzen Ausmaße dieser Ereignisse entdeckt. Für diejenigen unter Euch, die nicht mehr genau wissen, worum es geht, möchte ich ganz kurz die Ereignisse umreißen:

Schüler (16) hat Freundin (13). Er überredet sie zum Fellatio (Kommentar einer Lehrerin, die mir das erzählt hat: „Je vais pas t’expliquer, cherche-le dans un dictionnaire! – Ich werde dir nicht erklären, was das ist, schau’s im Wörterbuch nach!“ Ich überlegte, wie ich ihr dezent klarmachen könnte, dass ich durchaus weiß, was das ist... ohne auf evtl. vorhandene praktische oder theoretische Erfahrungen schließen zu lassen.)

Ähem. Egal. Zurück zu unseren Turteltauben.

Dabei ließen sich die beiden mittels Videohandy filmen. Da das ganze aber in den Winterferien im Februar passierte, hatte das noch nichts mit der Schule zu tun. Es passierte nicht auf dem Gelände oder so, insofern war das Collège nicht involviert.

Es wurde erst dann ein Schulproblem, als dieses Video sich auf wundersame Weise von Schülerhandy zu Schülerhandy weiter verbreitete – in der Schule. Immerhin ist die beteilgte „Dame“ minderjährig.

Deswegen wurde deswegen eine Konferenz der Schulleitung abgehalten. Der männliche Hauptdarsteller ist bekannt (keine Ahnung, woran man ihn erkannt hat, haha – will ich auch gar nicht wissen...), seine „actress in a leading role“ offiziell nicht, inoffiziell schon.

Aber jetzt wird’s kriminell.

Denn besagter Schüler beschloss mit drei oder vier Freunden, sich zu der Versammlung der Schulleitung ebenfalls hier zu versammeln und Ärger zu machen. Es kam zu Wortgefechten, unerlaubtem Eindringen auf das Schulgelände, und zum Schluss wurde die Polizei gerufen, um das ganze aufzulösen. Jetzt wird dem Schüler „Einschüchterung mit einhergehender Provokation eines Schulbediensteten in Ausübung seiner Funktion und unerlaubtes Betreten des Schulgeländes“ vorgeworfen.

Seitdem kreisen jetzt dauernd Anweisungen der Schulleitung im Lehrerzimmer, wie mit Handys und Rowdys umzugehen ist.

Naja. Zum Glück habe ich das bald hinter mir...

Seine-Romantik

Nachts um Viertel nach zwölf in einem romantischen kleinen Park direkt an der Seine zu küssen ist ja ganz nett. Allerdings sollte man darauf vorbereitet sein und nicht gerade pissen müssen wie ein Rennpferd.

2LV1

Die Seconde, die ich letzte Woche alleine unterrichtete, war letzte Woche umgänglich; soll heißen, besser als befürchtet, allerdings schlimmer als bestenfalls möglich. Da sie alle am Quasseln waren, hätte ich nur noch brüllen können, um sie zu übertönen. Dazu hatte ich aber keine Lust. Also schwieg ich. Ich setzte mich an auf einen freien Tisch in der ersten Reihe und schwieg. Und wartete.

Interessanterweise fruchtete das! Die Schüler quasselten eine Weile weiter, aber dann merkten sie, dass ich auf sie wartete, und beruhigten sich. Schließlich wollten sie sogar wissen, was wir heute machen würden. Als Thema hatte ich Redewendungen und Umgangssprache ausgewählt. Daran schienen sie einigermaßen interessiert, und so konnte die Stunde relativ gesittet ablaufen.

Am Collège funktioniert das nicht...

Enjoll

Wisst Ihr, was ein „enjoll“ ist? Nein? Ich gebe Euch einen Tipp: Es ist ein englisches Wort.

„Enjoll“. Also „endscholl“ ausgesprochen.

Na? Immer noch nicht?

Es gibt ein Lied von den Scorpions, das heißt „Send Me An Enjoll“.

Genau. Das Wort heißt eigentlich „angel“. „Enjoll“ ist die Aussprache einer französischen Kollegin, die diese Sprache unterrichten soll...

Gut, ich gebe ja zu, mein Französisch ist auch alles andere als perfekt, sicherlich! Aber so’n Akzent habe selbst ich nicht drauf...

TOTO

„Africa“, „Rosanna“ etc.; diese Lieder schießen einem sofort durch den Kopf, wenn man den Namen dieser Band hört. Dabei gibt es noch viele andere grandioser Lieder, die es nie ins Radio geschafft haben...!

Jedenfalls kommt genau diese meine alte Jugendliebe nach Paris: nächsten Montag ist um 21 Uhr das Konzert im Zénith. Und ich habe seit letzter Woch ein Ticket! Boom, baby. Auch wenn man mir aus zuverlässiger Quelle versicherte, dass ein letzter Fernsehauftritt nur „peinlich“ war, da die alten Herren einen auf jung zu machen versuchten, habe ich beschlossen, mir das anzuschauen. Ersten waren TOTO meine erste Band, die ich live in concert gesehen habe; zweitens ist das letzte Konzert ein paar Jahre her, und drittens werde ich so schnell kein Konzert mehr in meiner Nähe haben. (Osnabrück ist nicht so das Mekka für interessante Bands und Konzerte...)

Das bedeutet aber auch, dass ich nächste Woche todmüde sein werde, wenn ich meinen vorvorletzten Eintrag in dieses Blog schreibe. Jepp, mir bleiben noch dreieinhalb Unterrichtswochen, zweieinhalb davon vor den französischen Osterferien. Meine vorläufige Rückreise findet dann in der Nacht vom 08. auf den 09. April statt, an dem ich gegen 5 Uhr morgens in OS ankomme. Am Freitag, den 20., fliege ich wieder runter, da ich noch eine Woche arbeiten muss. Meine endgültige Abreise ist dann am 29. April.

Das bedeutet, dass mein letzter Blogeintrag am 24.04.07 hier erscheinen wird. Kleiner Teaser vorweg: Mit riesigem Fazit und Halbjahresrückblick!

„Hold the line!“

Ralf
20.3.07 11:39
 



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