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Die 19. Woche (06. Mrz.)

Dienstag, 06. März. 136. Tag: Kurz & knapp.

10:00 Uhr.

Seit letztem Donnerstag bin ich wieder zurück in Frankreich, nachdem ich fast zwei Wochen in Deutschland war. Daher gibt es auch nichts Aufregendes aus „der erstaunlichsten Stadt des Universums“ (Goscinny) zu berichten.

Ich könnte höchstens erwähnen, dass es mehr Spaß macht, durch unterirdische, überfüllte Métrobahnhöfe zu laufen, während der MP3-Player „Enter Sandman“ von Metallica spielt. Ist eine ganz witzige Erfahrung, man fühlt sich wie in einem Ballerspiel... :-)

Der Countdown läuft, mir bleiben noch sechs Wochen in dieser Stadt und an diesen Schulen.

A la prochaine,

Monsieur l’assistant
6.3.07 10:05


Die 20. Woche (13. Mrz.)

Dienstag, 13. März. 143. Tag: Châtoh & Paris im Frühling, fehlende Schüler, Video, König Fußball, Srtubhjkrzs.

Is’ mal wieder soweit. Also: ab geht die Post!

Châtoh & Paris im Frühling

Ich hatte mal wieder Besuch in Paris (Gruß an dieser Stelle nach Osnabrück und Halle/Saale). Da hier langsam das Wetter besser wird, beschlossen wir, dieses auszunutzen und am Mittwoch nach Versailles zu fahren. Warum auch nicht; große, schlammige Gärten schaut man sich am besten dann an, wenn es nicht regnet...

So kam es dann auch, dass wir im Gare d’Austerlitz (ich glaube, ich jhabe mich mal versprochen und ihn „Gare de Waterloo“ genannt – aber das war wohl was anderes :-) ) standen und des RER nach Versailles Rive Droite harrten.

Ich weiß nicht, ob wir großartig vertrauenserweckend oder einfach nur gut aussahen (oder wahrscheinlich standen wir nur gerade günstig da rum), jedenfalls näherten sich zwei Damen (jünger als ich) und fragten: „Château Versailles?“ Dabei betonten sie das „eau“ in „château“ wie das „oh“ in „oh dear“ oder „oh Lord“. Damit war klar, dass sie aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum kamen. Aus Michigan, wie sie bestätigten. Jedenfalls schienen sie ganz froh darüber, dass sie nette, gutaussehende, dynamische Deutsche trafen, denn danach hatten wir sie den restlichen Tag an den Hacken. Sie folgten uns artig durch den Garten von Versailles und das Schloss, und abends, als ich schon längst wieder zu Hause war mit meiner Unterrichtsvorbereitung für Donnerstag, machten sie noch mit meinem Besuch die Stadt unsicher.

OK, so schlimm war es jetzt nicht, nur irgendwann kam ich mit den Fremdsprachen durcheinander. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sie sich an uns wandten: Wir kannten Land und Sprache....!

Jedenfalls hatte ich dank des Besuches wieder einmal die Gelegenheit, Paris zu erkunden. Am Freitag war das Wetter bis zum Nachmittag daneben, so dass wir ins Musée d’Orsay gegangen sind. Als wir wieder rauskamen, schien die Sonne. Und seitdem ist es auch schön hier: wir haben knapp unter 20 Grad, die Sonne scheint, es riecht nach Frühling. Und bei so einem Wetter macht es auch Spaß, auf den „großen Bogen der Verteidigung“ (La Grande Arche de la Défense) zu fahren und den Blick auf Paris zu genießen...

Fehlende Schüler

Haben Schüler Rechte?

Ganz klar: nein! :-)

Zumindet nicht das Recht zu streiken. Dennoch tun sie es: Und zwar haben am letzten Donnerstag die drei, die eigentlich bald mündliches Abi in Deutsch haben, beschlossen, die letzte Stunde im Lycée ausfallen zu lassen.

Schon wieder.

Nachdem sie das ja schon einmal bei mir gebracht haben (siehe Eintrag von anno dazumal), haben sie es jetzt auch meiner Lehrerin gebracht.

Naja, damit schneiden sie sich ja eigentlich nur ins eigene Fleisch. Mir war’s ganz recht... Ich konnte eine Stunde früher nach Hause!

Video

A propos Schüler: Langsam beginne ich mich zu fragen, wo ich hier gelandet bin. Auch am Collège spinnen sie jetzt! So wurde mir gestern Unglaubliches zugetragen: Ein Lehrer, der wie ich an beiden Schulen arbeitet (aber mehr Stunden hat als ich und wahrscheinlich auch besser bezahlt wird) sagte, dass es sich zugetragen habe, dass ein Schüler (16 J.) eine Freundin hat. OK, soweit nichts Ungewöhnliches. Pikant dabei ist lediglich, dass sie 13 ist. Hm. Das sieht das Lehrerauge doch schon etwas skeptischer. Und dieser Schüler hat seine Freundin zum „Fellatio“ überredet. Da schrillen doch schon die Alarmglocken!

Aber der Hammer kommt noch.

Denn dummer, dummerweise haben sie sich dabei mittels Handykamera filmen lassen... Und dieses Video blieb nicht auf dem einen Handy des „Kameramannes“, sondern verteilte sich, nicht unähnlich einer Pilzinfektion peu à peu in der Schule, von Handy zu Handy. Welche natürlich verboten sind.

Schon bescheuert, sowas. Wie sagte Einstein so schön: „Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: das Universum und die menschliche Dummheit. Obwohl: beim Universum bin ich mir nicht sicher.“

Aber sehen wir es von der guten Seite: So wie ich die Qualität von Handykameras einschätze, wird man soviel nicht erkennen können... (Autsch, was bin ich heute wieder zynisch!)

König Fußball

Mein englischer Kollege und ich sind dabei, ein Fußballfreundschaftsturnier zu organisieren. Und zwar sollen seine Schüler (1. Fremdsprache Englisch) gegen meine (1. Fremdsprache Deutsch) antreten. Mit etwas Glück bekommen wir auch noch eine Lehrermannschaft zusammen. Wir haben das jetzt schriftlich ausgearbeitet und legen den Antrag zur hoffentlichen Genehmigung demnächst der Direktorin vor.

Natürlich werdet Ihr auf dem Laufenden gehalten.

Srtubhjkrzs

Kennt Ihr dieses Wort: „Srtubhjkrzs“?

Nein?

Oder könnt Ihr vielleicht folgenden Satz verstehen: „Skf bùg;z kmlkbjsdgmrrjg!“

Auch nicht?

Wie steht’s damit: „Conflans – Fin d’Oise“. Gut, lesen kann man’s, gell? Und sooo wichtig ist dieser Ort auch nicht, dass man unbedingt wissen müsste, dass das die RER-Station hinter Achères ist.

Aber man kann es lesen.

Für alle diejenigen, die das nicht können, weil sie Analphabeten sind (wie trennt man denn das Wort? Doch wohl nicht nach der 2. Silbe, oder?!) sieht es dann aus wie eine sinnlose Aneinanderreihung von komischen Symbolen. Ich zitiere dazu aus der grandiosesten Serie aller Zeiten, den Simpsons:

Skinner als Pharao: „Lies mir doch mal vor, was wir bis jetzt haben, Krabapatra.“
Krabapatra: „Vogel, Vogel, großes Auge, Pyramide, Vogel.“
Skinner: „Hmm, ausgezeichnet... Ähm, großes Auge, toter Fisch, Katzenkopf, Katzenkopf, Katzenkopf, ein Typ der ‚so’ da steht...“

(Quelle: Springfield Shopper).

Wie ich darauf komme ? Ach ja, heute hat mich zum 2. Mal hier jemand angesprochen und gefragt, wie man zu diesem Bahnhof kommt und drückte mir einen Zettel in die Hand. Ich gehe davon aus, dass er nicht lesen oder schreiben konnte, denn die Stationen sind ja im Zug überall ausgeschrieben.

Aber da bemerkt man erst, dass man die banalsten Sachen nicht machen kann, wenn man des Lesens nicht mächtig ist...

Ende

Das wär’s aufs erste. Ich bin hundemüde, muss aber erst noch ein bißchen arbeiten. Spannend wird es um 16.30h. Da habe ich die Seconde 1. Fremdsprache, bei der es neulich die rote Karte gab. Besonderheit: Ich habe heute die gesamte Klasse. Alleine.

Ich sage nur: Aux armes, citoyens!

Gruß,


Monsieur
13.3.07 11:12


Die 21. Woche (20. Mrz.)

Dienstag, 20. März. 150. Tag: Ärger mit der RATP, Terrouristen, Videohandyvideo 2. Teil, 2LV1, Seine-Romantik, Enjoll, TOTO.

09:45 Uhr.

Hossa, aber diesmal könnte er länger werden, der Eintrag. „Auf, auf, Verdammte dieser Eeeerdee....“

Ärger mit der RATP

Ja, heute Morgen war es mal wieder soweit. Ich stieg nichts Böses ahnend in meinen RER am Gare de Lyon und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Und sie kamen.

In Maisons-Laffitte kam dann die charmante Durchsage, dass hier nun Endstation sei, denn wegen einer „havarie de materiel à Achères-Ville“ könne der Zug nicht weiterfahren. Man bat uns höflich, jedoch sehr bestimmt, den beheizten Zug zu verlassen. Das feuerte natürlich den Unmut einiger Reisender an – unter anderem auch meinen. Allerdings stand neben mir ein Herr, der richtig die Schnauze gestrichen voll hatte:

„C’est la troisième fois cette semaine. Et je suis en retard au boulot. Ma femme me fait la gueule parce que je ne rentre chez nous que pour dormir!!!“

Übersetzt etwa: „Das ist jetzt das dritte Mail diese Woche! Und ich komme zu spät zur Maloche. Meine Frau hat eine Scheißwut, weil ich nur noch zum Schlafen nach Hause komme!!!“

Obwohl ich ob dieses Kommentars innerlich laut lachen musste, so konnte ich seine Unzufriedenheit doch gut verstehen. Ich meine, es war ja überhaupt nicht kalt draußen, so um die 5 Grad Celsius, und ein leichter Schneestaub lag auf dem Boden. (Man achte auf den ätzenden Zynismus in diesem Satz.) Und zum Glück hatte ich auch gaaaar keine Kopien und Ausdrucke vorzubereiten. (Ätzender Zynismus.)

Aber sehen wir das ganze mal anders: Es ging hier immerhin um eine Havarie! Was würde uns bei der Ankunft im Bahnhof von Achères erwarten? Ein ausgebrannter und geplünderter Zug? Leichenberge? Pöbel mit Mistgabeln? Warlords, die nach dem Zusammenbruch jeglicher demokratischen Strukturen ihre Macht sichern wollten und mit Hilfe von bewaffneten Milizen strategisch günstige Punkte (wie den überteuerten Snackautomaten) besetzten?

Irgendwann spuckte auch ein zweiter Zug seine Gäste in Maisons-Laffitte aus, der dritte fuhr in eine andere Richtung, und der vierte in Richtung Achères nahm dann wieder Fahrgäste auf. Nach also knapp 20 Minuten auf dem kalten Bahnsteig dort schien es weiter zu gehen. Der Zug fuhr los, die Spannung stieg.

Zusätzlichen Zündstoff bekamen diese Horrorszenarien durch einen theatralisch sehr passend gesetzten unplanmäßigen Stopp mitten auf den Gleisen zwischen Achères und Maisons-Laffitte. Und dann rollte der Zug weiter. Und was erwartete uns am Bahnhof?

Nichts.

Keine Leichenberge, kein geplünderter Zug. Nur noch mehr Menschen, die sauer waren, dass keine Züge fuhren.

Ich beeilte mich also, in meine Schule zu kommen (zum Glück kam gerade ein Bus), jagte schnell ein paar Ausdrucke durch den Drucker und nudelte ein paar Kopien ab. Dann, mit etwa fünf Minuten Verspätung, betrat ich den Pausenhof, wo meine Schüler bereits meine Abwesenheit feierten. Dementsprechend war ihre Begeisterung, als sie mich dann doch noch ankommen sahen.

Ja, so wird man gerne begrüßt...

Terrouristen

Wir Pariser haben es schon nicht leicht. Da wohnen wir zwar hier in dieser wunderbaren Stadt, haben aber dauernd mit den Terrouristen zu kämpfen.

Ein Beispiel gefällig?

Ich befand mich in der Métro auf dem Weg zum Gare de Lyon, in der 5 kurz vor dem Gare d’Austerlitz, um genau zu sein. Dort stieg auf einmal eine Horde von Skandinaviern ein. Mit Gepäck natürlich. Und „parkten“ mich ein.

Das war an sich schon mal nicht sonderlich angenehm; alleine zwischen lauter Wikingern eingepfercht zu werden, die eine leichte Alkoholfahne hatten. Richtig unangenehm wurde es zwei Stationen später, an der Bastille, als ich aussteigen musste: Ich kam nämlich nicht raus! Ich war gezwungen, über Taschen, Bänke und andere Pariser hinweg zur nächsten Tür zu klettern, um nicht noch eine Station weiter zu fahren.

Wir arme Pariser... :-)

Videohandyvideo 2. Teil

Bevor jetzt irgendwelche falschen Hoffnungen geweckt wurden: Nein, es gibt keinen 2. Teil von dem Video. Es soll lediglich gezeigt werden, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist.

Ich habe jetzt inzwischen die ganzen Ausmaße dieser Ereignisse entdeckt. Für diejenigen unter Euch, die nicht mehr genau wissen, worum es geht, möchte ich ganz kurz die Ereignisse umreißen:

Schüler (16) hat Freundin (13). Er überredet sie zum Fellatio (Kommentar einer Lehrerin, die mir das erzählt hat: „Je vais pas t’expliquer, cherche-le dans un dictionnaire! – Ich werde dir nicht erklären, was das ist, schau’s im Wörterbuch nach!“ Ich überlegte, wie ich ihr dezent klarmachen könnte, dass ich durchaus weiß, was das ist... ohne auf evtl. vorhandene praktische oder theoretische Erfahrungen schließen zu lassen.)

Ähem. Egal. Zurück zu unseren Turteltauben.

Dabei ließen sich die beiden mittels Videohandy filmen. Da das ganze aber in den Winterferien im Februar passierte, hatte das noch nichts mit der Schule zu tun. Es passierte nicht auf dem Gelände oder so, insofern war das Collège nicht involviert.

Es wurde erst dann ein Schulproblem, als dieses Video sich auf wundersame Weise von Schülerhandy zu Schülerhandy weiter verbreitete – in der Schule. Immerhin ist die beteilgte „Dame“ minderjährig.

Deswegen wurde deswegen eine Konferenz der Schulleitung abgehalten. Der männliche Hauptdarsteller ist bekannt (keine Ahnung, woran man ihn erkannt hat, haha – will ich auch gar nicht wissen...), seine „actress in a leading role“ offiziell nicht, inoffiziell schon.

Aber jetzt wird’s kriminell.

Denn besagter Schüler beschloss mit drei oder vier Freunden, sich zu der Versammlung der Schulleitung ebenfalls hier zu versammeln und Ärger zu machen. Es kam zu Wortgefechten, unerlaubtem Eindringen auf das Schulgelände, und zum Schluss wurde die Polizei gerufen, um das ganze aufzulösen. Jetzt wird dem Schüler „Einschüchterung mit einhergehender Provokation eines Schulbediensteten in Ausübung seiner Funktion und unerlaubtes Betreten des Schulgeländes“ vorgeworfen.

Seitdem kreisen jetzt dauernd Anweisungen der Schulleitung im Lehrerzimmer, wie mit Handys und Rowdys umzugehen ist.

Naja. Zum Glück habe ich das bald hinter mir...

Seine-Romantik

Nachts um Viertel nach zwölf in einem romantischen kleinen Park direkt an der Seine zu küssen ist ja ganz nett. Allerdings sollte man darauf vorbereitet sein und nicht gerade pissen müssen wie ein Rennpferd.

2LV1

Die Seconde, die ich letzte Woche alleine unterrichtete, war letzte Woche umgänglich; soll heißen, besser als befürchtet, allerdings schlimmer als bestenfalls möglich. Da sie alle am Quasseln waren, hätte ich nur noch brüllen können, um sie zu übertönen. Dazu hatte ich aber keine Lust. Also schwieg ich. Ich setzte mich an auf einen freien Tisch in der ersten Reihe und schwieg. Und wartete.

Interessanterweise fruchtete das! Die Schüler quasselten eine Weile weiter, aber dann merkten sie, dass ich auf sie wartete, und beruhigten sich. Schließlich wollten sie sogar wissen, was wir heute machen würden. Als Thema hatte ich Redewendungen und Umgangssprache ausgewählt. Daran schienen sie einigermaßen interessiert, und so konnte die Stunde relativ gesittet ablaufen.

Am Collège funktioniert das nicht...

Enjoll

Wisst Ihr, was ein „enjoll“ ist? Nein? Ich gebe Euch einen Tipp: Es ist ein englisches Wort.

„Enjoll“. Also „endscholl“ ausgesprochen.

Na? Immer noch nicht?

Es gibt ein Lied von den Scorpions, das heißt „Send Me An Enjoll“.

Genau. Das Wort heißt eigentlich „angel“. „Enjoll“ ist die Aussprache einer französischen Kollegin, die diese Sprache unterrichten soll...

Gut, ich gebe ja zu, mein Französisch ist auch alles andere als perfekt, sicherlich! Aber so’n Akzent habe selbst ich nicht drauf...

TOTO

„Africa“, „Rosanna“ etc.; diese Lieder schießen einem sofort durch den Kopf, wenn man den Namen dieser Band hört. Dabei gibt es noch viele andere grandioser Lieder, die es nie ins Radio geschafft haben...!

Jedenfalls kommt genau diese meine alte Jugendliebe nach Paris: nächsten Montag ist um 21 Uhr das Konzert im Zénith. Und ich habe seit letzter Woch ein Ticket! Boom, baby. Auch wenn man mir aus zuverlässiger Quelle versicherte, dass ein letzter Fernsehauftritt nur „peinlich“ war, da die alten Herren einen auf jung zu machen versuchten, habe ich beschlossen, mir das anzuschauen. Ersten waren TOTO meine erste Band, die ich live in concert gesehen habe; zweitens ist das letzte Konzert ein paar Jahre her, und drittens werde ich so schnell kein Konzert mehr in meiner Nähe haben. (Osnabrück ist nicht so das Mekka für interessante Bands und Konzerte...)

Das bedeutet aber auch, dass ich nächste Woche todmüde sein werde, wenn ich meinen vorvorletzten Eintrag in dieses Blog schreibe. Jepp, mir bleiben noch dreieinhalb Unterrichtswochen, zweieinhalb davon vor den französischen Osterferien. Meine vorläufige Rückreise findet dann in der Nacht vom 08. auf den 09. April statt, an dem ich gegen 5 Uhr morgens in OS ankomme. Am Freitag, den 20., fliege ich wieder runter, da ich noch eine Woche arbeiten muss. Meine endgültige Abreise ist dann am 29. April.

Das bedeutet, dass mein letzter Blogeintrag am 24.04.07 hier erscheinen wird. Kleiner Teaser vorweg: Mit riesigem Fazit und Halbjahresrückblick!

„Hold the line!“

Ralf
20.3.07 11:39


Die 22. Woche (27. Mrz.)

Dienstag, 27. März. 164. Tag: TOTO, PSG, XXX, 2LV2, bac blanc.

09:35 Uhr.

Mann, bin ich müde... Bon, allons-y.

TOTO

Der Grund für meine Müdigkeit ist diese Band, die ich ja bereits im letzten Blog angekündigt hatte. Die waren gestern Abend hier in Paris, und ich habe das Konzert besucht.

Laut Karte sollte es um 20.30 Uhr losgehen. Ich dachte mir, die Vorband schenkste dir, und auch auf die Gefahr, den Anfang zu verpassen, war ich gegen kurz vor neun da. Die Vorband, eine einzelne Sängerin mit Gitarre, verließ gerade die Bühne, und um halb 10 fing dann TOTO an. Und das in guter und üblicher Qualität und Manier.

„Peinliche“ alte Männer, die einen auf jung zu machen versuchten, konnte ich auf der Bühne nicht entdecken. Für mich waren das eher Spitzenmusiker, die 30 Jahre lang Studioerfahrung und 25 (?) Jahre Tournee-Erfahrung haben und ganz genau wußten, was sie können und drauf haben. Es ging los mit ein paar Liedern vom neuen Album, die ich noch nicht kannte, aber reibungslos ins TOTO-Schema zu passen scheinen.

Ich persönlich hatte ja gehofft, dass sie mehr von ihren alten Liedern spielen würden, denn mit Bobby Kimball, der ja der Sänger der ersten vier Alben war (meiner Meinung nach auch die besten vier!), würde es sich ja anbieten, die alten Nummern wieder rauszuholen. Schwierig ist dabei dann allerdings, wie man so 13 Studioalben unterbringen will (wenn ich mich nicht verzählt habe). Insofern war es ein sehr bunter Mix aus, glaube ich, fast allen Alben. Die geplante Setlist findet Ihr unter diesem Link (unten auf der Seite, der vorletzte Eintrag) und entspricht etwa der tatsächlichen von gestern Abend.

Ansonsten war es halt das übliche Erlebnis; der Sound war 1 A, die Stimmung war auch gut, nur Steve Lukather mit seiner Tendenz, aus jedem kurzen Intermezzo ein längeres Solo zu machen, zog m. M. n. das eine oder andere Stück unnötig in die Länge. Schade fand ich auch, dass David Paich nicht mehr dabei ist (aus familiären Gründen, er tourt nur noch in den USA mit). Der Ersatzkeyboarder konnte musikalisch zwar mithalten; stimmlich kam er aber bei weitem nicht an ihn ran. Mike Porcaro hatte sich auch die Hand verletzt, so blieb nur noch Steve Lukather als einziges Gründungmitglied übrig, dass die 30 Jahre kontinuierlich miterlebt hat. Und eben Bobby Kimball, der nach 15 Jahren TOTO-Abstinenz (wegen Drogenproblemen) wieder an Bord ist.

Insgesamt war es ein schönes Konzert, und ich bereue nicht, dort hingegangen zu sein. Witzig: am Ausgang standen – wie bei jedem Konzert – Verkäufer, die ihre Poster für 2 EUR das Stück vertickert haben. Ich habe mir für diesen Preis natürlich eins mitgenommen, zweifele allerdings an der Authentizität: auf der Vorderseite ist TOTO drauf (mit Tourdaten, sieht ziemlich selbstgemacht aus), und auf der Rückseite ist Good Charlotte drauf – die am 19. Mai hier spielen... Naja, 2 EUR halt...

Um kurz nach Mitternacht war ich dann zu Hause, bis ich im Bett war, war’s halb eins, und um 5 Uhr klingelte der Wecker. Daher: Sorry, Leute, aber Tippfehler gehen mir heute echt am A**** vorbei. (Pssst: Eben habe ich den Schülern in der ersten Stunde eine Rechercheaufgabe im Internet gegeben – so hatte ich wenigstens meine Ruhe...)

PSG

Neulich in der Métro: ich stehe in der Station Châtelet/Les Halles und harre der Bahn. Ein paar Meter neben mir eine Gruppe von ca. 10 Leuten mit Schildern, wo irgendwas von „Marseille“ drauf stand. Was genau konnte ich nicht erkennen (Streik? Soziale Bewegung?).

Als dann die Bahn einfuhr, befand sich dort drin eine Gruppe von französischen Jugendlichen (alkoholisiert), und diese „groupe marseillais“ und ich stiegen ein. Dann erblickte einer von den Jugendlichen diese Schilder und brüllte durch den Zug: „Hé! Les Marseillais! C’est quoi, ces panneaux?!“ („Ey, Ihr aus Marseille, was sind das für Schilder?!“)

Die antworteten auch irgendwas, das ich nicht verstand, da ich ein paar Meter weiter weg stand, woraufhin die Jugendlichen begannen zu skandieren: „PSG – Hooligan! PSG – Hooligan!“ Ich habe mir sagen lassen, dass es eine große Rivalitäat zwischen den Anhängern von PSG (für alle, die es nicht kennen, das ist der Fußballverein Paris-St. Germain) und denen von Bordeaux gibt. Oder war das Lyon? Egal, sie fingen jedenfalls an, auf Olympique Marseille zu schimpfen: „Les filles y sont légères, et les pédés sont là!“ (Zwingt mich bitte nicht, das zu übersetzen…)

Überraschend fand ich allerdings, wie gut sie das stimmhafte „h“, das „h aspirée“ ausgesprochen haben. Das hört man hier selten... Und es erinnerte mich an die guten alten Zeiten in Hannover, in denen systematisch Üstra-Wagen von feiernden Fans außer Gefecht gesetzt wurden. Etwas, was in Zweit- und Drittligazeiten ja nicht allzu häufig vorkam...

XXX

Ich habe lange überlegt, ob ich es schreiben soll oder nicht. Dann habe ich mich dagegen entschieden. Ich werde nicht schreiben, dass ich von meiner Wohnung in den Wohnblock gegenüber schauen kann. Und ich werde nicht schreiben, dass dort ein Wohnzimmer ist, in dem der Bewohner entweder Fußball schaut oder Fußball auf der Playstation spielt, denn der Fernseher ist sehr gut sichtbar hinter dem Fenster. Und ich werde definitiv nicht schreiben, dass da neulich ein Hardcoreporno lief und die gesamte Nachbarschaft einen Fellatio beobachten konnte. Dabei schien die digitale Qualität gar nicht mal so schlecht zu sein (wahrscheinlich besser als von Handykameras).

Aber so ein Schweinkram gehört hier nicht hin. Ich finde es nur interessant, dass in den letzten drei Blogs das Wort „Fellatio“ vorkam...

2LV2

Wieder eine Klasse, die mir auf den Senkel ging. Aber bevor ich berichte, möchte ich kurz auf diese Abkürzung eingehen, die letzte Woche ein wenig Verwirrung stiftete.

Die Abkürzung „2LV2“ bedeutet „seconde“ (also 10. Klasse), „LV“ bedeutet „langue vivante“, die 1 bzw. 2 dahinter zeigt an, ob es die erste oder zweite Fremdsprache ist. Alles klar? :-)

Bei dieser 10. Klasse mit Deutsch als 2. Fremdsprache handelt es sich auch um so eine Problemgruppe. Erstmal verteilten sie neulich Salz (!!!) im Klassenraum. Das hatten ein paar Schüler in diesen kleinen Aufreißpäckchen aus der Cafeteria mitgenommen und auf ihrem Tisch verstreut und fanden es nun witzig, so zu tun, als sei es Kokain. Nachdem ich sie dazu gebracht hatte, den Scheiß wegzuschmeißen, zeigte ich ihnen Zeitschriften aus Deutschland, die sie vorstellen sollten. Einer dieser pubertierenden Jungs meinte nun, jedes Bild einer Frau mit „elle avale“ („sie schluckt“) kommentieren zu müssen.

Ich war froh, als diese Stunde zu Ende war. Danach kam eine andere Lehrerin in den Raum, die noch mehr Salz entdeckte, woraufhin ich die Übeltäter sofort in den Raum zurückzitiert habe zum Putzen.

Da ist mit echt der Kragen geplatzt. Die drei haben mich zum letzten Mal gesehen. Zum Glück bin ich in der Position, einzele Nervensägen und Störenfriede ausschließen zu können. Jetzt könnte man aber wieder dieses Schülerverhalten meiner Lehrerin mit dem eklatanten Mangel an Durchsetzungsvermögen anhängen wollen. Das funktioniert aber diesmal nicht, denn so ziemlich jeder Lehrer, der den Namen dieser Klasse hörte, verzog das Gesicht. Die Schüler haben sich einen Ruf „erarbeitet“. Jetzt am Samstag gibt es eine Konferenz, an der die Lehrer und Eltern teilnehmen. Denn das Maß scheint voll zu sein. Zumal es jetzt auch um die Sicherheit geht, denn der Physiklehrer beklagte sich über das Rumspritzen mit Wasser, während die Schüler irgendwelche elektrischen Versuche aufbauen sollten...

Mal schauen, was die Konferenz ergibt.

Bac blanc

Die Schüler der Terminale (Abiturklasse) hatten mal wieder bac blanc, also Probeabi. Allerdings nicht alle, und einige glaubten/hofften, bei mir Unterricht zu haben. Naja, da man mir gesagt hatte, dass mein Unterricht ausfallen würde, hatte ich natürlich auch nichts vorbereitet. Na gut, stattdessen haben wir halt Poker gespielt, und ich hatte 2x einen Flush – sans avoir triché (ohne geschummelt zu haben).


Gute Nacht!

PS: Nicht vergessen: nächste Woche kommt der vorletzte Eintrag, und der letzte vor meiner (vorläufigen) Rückkehr nach Allemagne.

PPS: Morgen Abend spielt Frankreich gegen Österreich im Stade de France. Das Sonderangebot, für 18 EUR eine von 20.000 reduzierten Karten zu kaufen, ist jetzt noch buchbar über Internet. Das Stadion scheint ziemlich leer zu sein morgen...
27.3.07 10:45





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