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Die 17. Woche (6. Feb.)

Dienstag, 06. Februar. 121. Tag: Weltmeister, Spam, Straßennamen, Kino & Klassenarbeit.

10:30

Es ist mal wieder soweit: es ist Dienstagvormittag, ich habe vier Freistunden und schreibe mal wieder was ins Blog...

Weltmeister

38, 78, 2007... ich habe es hier nur am Rande mitbekommen, dass in Deutschland ja die Handball-WM war. Allerdings sprachen mich ein paar Lehrer letzten Donnerstag auf das am Abend stattfindende Halbfinale statt – Deutschland gegen Frankreich. Ich freue mich; berichten zu können, dass ich mich am Montag keinerlei Anfeindungen ausgesetzt sah. :-)

Das Finale war dann am gestrigen Montag auch nur eine kleine Randnotiz im „Parisien“ wert, ein ungleich größerer Artikel wurde dem Spiel um Platz 3 gewidmet. Das schien ja laut „Parisien“ nicht so der Hammer zu sein...

Morgen ist das große (Fußball)Spiel Frankreich gegen Argentinien. Habe eben eine Karte bei eBay für 30 EUR entdeckt, mit Selbstabholung an der Défense... Ende der Versteigerung in 4 Stunden 45 Minuten, also gegen vier Uhr. Mal schauen, ob das klappt.

Spam

Am Freitag habe ich meine Mails abgerufen, am Samstag nicht. Am Sonntag hatte ich 31 neue Nachrichten auf meinem Computer! Und ratet mal, wie viele ich davon gelöscht habe.

Genau. Alle.

Inzwischen sind es 483 Nachrichten (plus diejenigen, die mein Spamfilter durchgelassen hat), die seit dem 06.01.07 aufgelaufen sind.

Lieber „Leroy“, „hmirror“, „avoid except“, liebe „Lolita“ und „Gertrude“ und so weiter. Ihr nervt. Ich interessiere mich nicht für „Brunette milf getting screwed“, Viagra oder Cialis (was ist das überhaupt) oder für irgendwelche Aktien, die ich unbedingt kaufen soll.

Wirklich nicht. Also lasst es. *nerv*

Straßennamen

Achères scheint ein sehr patriotischer Ort zu sein. Es gibt hier zum Beispiel eine „Avenue du Général de Gaulle“, eine „Avenue de Stalingrad“, eine „Avenue des droits de l’homme“ (Straße der Menschenrechte), eine „rue des Etats Gébéraux“ (Straße der Generalstände), einen „Place du 14 juillet“ und eine „rue du 8 mai 1945“. Ist ja alles schön und gut irgendwie.

Einzig die „impasse des Alliées“ (Sackgasse der Allierten) zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Bin das nur ich als Ausländer, oder warum finde ich den Namen witzig...?

Kino & Klassenarbeit

Da wäre ich doch beinahe wieder ins Kino gegangen. Diesmal geht eine Schulklasse in „La vie des autres“, das ist ein deutscher Film, der in Deutschland unter dem Titel „Das Leben der anderen“ lief und eigentlich viel hervorragende Kritik bekam.

Ein Lehrer fragte rum, wer denn noch interessiert sei, denn er bräuchte noch 3 oder 4 Lehrer, die mitkämen. Ich sagte, dass ich wohl Interesse hätte.

„Gute Idee!“ antwortete er und sagte, er würde darüber mit meiner Lehrerin sprechen.

Jetzt sieht es so aus: Sie geht mit dem Lehrer und der Klasse ins Kino, und ich mache ihren Unterricht. Was das jetzt wieder soll? Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich so glücklich bin über diese Regelung. Zumal ich mich irgendwie „aus dem Weg geräumt“ oder „übergangen“ fühle...

Donnerstag schreibe ich meine erste Klassenarbeit! OK, die erste, wo ich auf der Chefseite des Lehrerpultes sitze und Aufsicht führe. Auch so ein Glanzstück meiner Lehrerin. Da sie selbst an dem Tag weg ist, um an einem anderen Lycée beim „bac blanc“ auszuhelfen (was ja auch absolut legitim ist; wir hatten auch andere Lehrer hier), sollte ich ihren Unterricht übernehmen – was ich ja auch in der Regel sehr gerne mache.

Aber mir eine Klassenarbeit da reinzuknallen... nun, da bin ich noch nicht ganz so glücklich drüber. Zwar respektieren mich die Schüler im Unterricht, aber wie das bei der Klassenarbeit wird, weiß ich noch nicht. Ich werde hart sein, ich werde hart sein, ich werde....

Soviel erstmal von hier.

Liebe Grüße,


magister blogem


PS: Die Arbeit heir macht immer noch Spaß! (Mir ist eben aufgefallen, dass ich gar nichts darüber geschrieben hab, nur anderes belangloses Zeug...)

PPS: Und einen neuen Witz der Woche gibt es natürlich auch!
6.2.07 14:38


Die 18. Woche (13. Feb.)

Dienstag, 13. Februar. 128. Tag: Diegos Duellanten, Dienstag, Donnerstag, Deutschland.

10:30 Uhr.

Und wieder ein Eintrag... Der letzte vor den Ferien, vorerst der letzte aus Frankreich! Und wieder eine Alliteration...!

Diegos Duellanten

Das Spiel Frankreich – Argentinien (daher Diego Maradonnas argentinische Landsmänner im Duell gegen Frankreich) war ja wohl nicht so der Bringer. Argentinien schießt nach 15 Minuten das 1:0, und das ist dann auch der Endstand... Dementsprechend waren die Zeitungen auch der Meinung, dass Frankreich noch einiges an Arbeit vor sich hat... Ich bin im Nachhinein froh, dass ich doch nicht da war!

Ich bin dann auch am Donnerstag nicht breit grinsend durch die Gegend gelaufen, denn erstens hatte ich ja auf 3:0 für Argentinien getippt (1:0 wäre vielleicht mein Halbzeittipp gewesen), und zweitens wollte ich nicht noch irgendwelchen Unmut auf mich ziehen...

Dienstag

Sportlich ging es jedenfalls schon am Dienstag zu.

Ich hatte erzählt, dass ich Schiedsrichterkarten kaufen wollte (was nicht klappte). Aber hatte ich auch erwähnt, wozu ich die brauche? Ich weiß es nicht, deswegen hier eine kurze Erklärung: In meinen lauten Klassen habe ich die Schnauze voll; dass einige dauernd quasseln. Deswegen läuft das jetzt folgendermaßen:

Schüler quasselt: mündliche Verwarnung
Schüler quasselt weiter: gelbe Karte
Schüler quasselt immer noch weiter: rote Karte

Die rote Karte bedeutet nicht, dass er duschen gehen kann, sondern zum C.P.E., dem Conseiller Principale d’Education (holprig übersetzt etwa „Haupterziehungsberater“) geschickt wird. Der verhängt dann weitere Strafen (Nachsitzen etc.). Die Drohung hat eigentlich bisher immer funktioniert.

Eigentlich.

Bisher.

Am Dienstag kam dann der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte (frz.: „la goutte qui fait déborder le vase“). Ein Schüler holte sich erst seine mündliche Verwarnung ab, dann bekam er die gelbe Karte, und schließlich, als er weiter störte, sah erst ich rot, dann er.

Ich zeigte ihm also die rote Karte und verlangte, sein Schülerheft zu sehen, um ihn dann zum C.P.E. zu schicken. Da fing er doch tatsächlich an, mit mir verhandeln zu wollen!!! Er setzte sich von sich aus ganz noch hinten und versprach ruhig zu sein! Ich habe mich nicht darauf eingelassen. Ich hatte die Regeln in der Stunde am Anfang nochmals wiederholt. Er kannte sie also, und er hat sie gebrochen. Ein Sechzehnjähriger ist meiner Meinung durchaus dazu in der Lage, in einem solchen Fall die Konsequenzen abzuschätzen – und zu tragen.

Der Schüler ist letztlich also beim C.P.E. gelandet. Welche Strafe die Dame ihm dann aufgebrummt hat, weiß ich nicht. Es ist mir auch (ehrlich gesagt) schietegal.

Denn für mich liegt der Hase in einem ganz anderen Pfeffer (häh?!).

Ich hasse es, solche Maßnahmen anzuwenden. Ich hasse es, dazu gezwungen zu werden, solche Maßnahmen anzuwenden. OK, wie gesagt, der Schüler kannte die Vorgänge und die Konsequenzen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich als „Lehrer“ (haha... eher als angehender Lehrer) versagt hätte. Ich meine, ich habe damals die rote Karte gebastelt, in der Absicht, sie nie benutzen zu müssen.

Ich meine, wenn ich wüsste, dass ich meine Freischüsse verbraucht habe, ich hätte meinen Schnabel gehalten! (Mündliche BWL-Püfungen klammere ich da jetzt mal aus...)

Jedenfalls war ich hinterher ziemlich sauer.

Aber vielleicht war es auch ganz gut, dass ich mal die ultima ratio angewendet habe, denn jetzt wissen die Schüler wenigstens, dass ich dazu auch in der Lage bin und es keine hohle Drohung ist. Trotzdem bin ich nicht sehr glücklich darüber. Wahrscheinlich muss ich mir als Lehrer da ein dickeres Fell zulegen. Ich meine, ich nehme es ja icht persönlich. Aber wenn die Schüler zu weit gehen, ist das nicht meine Schuld, oder?

Ich habe diese Klasse erst nach den Ferien wieder. Ich harre der weiteren Entwicklung.

Donnerstag

Auch dieser Tag war anstrengend für mich. Ich sollte alleine unterrichten, da meine Lehrerin an einer anderen Schule war und bei einem Projekttag oder so mitgeholfen hat. Die Schüler in der ersten Stunde waren kontrollierbar, da sie eine Klassenarbeit geschrieben haben.

Die Schüler in der 4. Stunde sollten eigentlich Referate vorbereiten, haben aber lieber Quatsch gemacht. Mir egal, dachte ich bei mir, entweder sie müssen es dann zu Hause nacharbeiten, oder sie kriegen das Resultat dann entsprechend in der Note mitgeteilt.

Die Schüler in der 6. Stunde waren nicht zu zähmen. Handylärm, Gequassel... ich hatte Kopfschmerzen, als die Stunde vorbei war. Auch ich konnte mich bei dieser Klasse nicht durchsetzen...

Die 8. Stunde fiel aus, weil die 3 Schüler, die ich hätte haben sollen, keinen Bock hatten und beschlossen nicht zu kommen. Das fand ich richtig Scheiße, denn natürlich hatte ich wieder etwas vorbereitet, um ihnen bei der Vorbereitung zum Abi zu helfen... An diesem Zeitpunkt wurde ich ein wenig grantig.

Als ich dann beschloss, nach Hause zu fahren, fing es genau in diesem Moment an zu regnen.

Das war nicht mein Tag – und er wurde nicht besser...

Abends lag ich dann mit dicker Erkältung im Bett... kein Wunder: Die letzten Tage hier waren kalt, nass, windig – absolut „iibah!“ halt. Und wenn man dann zusammengepfercht im RER steht, wo jeder zweite hustet, rotzt, schnieft, niest... und sich anschließend wieder an einer der Stangen festhält – nun, dann weiß man, wo man seine Erkältung herhat. Es ist ein wenig wie im Papstwitz: „Der Papst ist erkältet, aber sie wissen noch nicht, welcher Flughafen es war...“

Dieser Donnerstag war jedenfalls nicht mein Tag.

Deutschland

Wie eingangs erwähnt, sind ab Samstag wieder Ferien in Frankreich. Das heißt, dass ich wieder für ein paar Tage nach Deutschland zurückkehre. Am Freitag lande ich voraussichtlich um 10:15 Uhr in Hannover (vorausgesetzt, am Flughafen gibt es nicht wieder so ein Chaos wie vor Weihnachten). Die beiden Wochenenden werde ich wohl in Osnabrück verbringen, die Tage dazwischen bei meinen Großeltern, und am 01. März fliege ich wieder zurück nach Paris.

Da ich ab heute auch nicht mehr in meiner Wohnung bin, bitte ich, von Anrufen dort abzusehen. Ich bin in dringenden Fällen über meine bekannte französische Handynummer zu erreichen.

Das wäre es erst einmal wieder aus Frankreich. Wir sehen uns oder hören uns in Deutschland!

Liebe Grüße,


Ralf
13.2.07 11:34





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