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Je suis arrivé (01. Okt.)

Liebe Lesenden!

Ich bin nun schon fast eine Woche in Paris, und heute habe ich es endlich geschafft, mal in ein Internet-Café zu gehen und einen ersten Eintrag zu schreiben...

Allzu lang wird der aber nicht werden; ich wollte nur Bescheid sagen, dass ich gut angekommen bin und mich gut eingelebt habe. Am Donnerstag war ich schonmal kurz in einer meiner Schulen, in denen ich demnaechst wirken und walten werde, und morgen ist mein erster Arbeitstag. Aber mehr kommt im Laufe der Woche. Ich gehe davon aus, dass ich etwa Mittwoch oder Donnerstag meinen Internetzugang bekomme, dann kann ich von zu Hause aus mehr schreiben.

Ich habe jetzt auch eine franzoesische Handynummer, die ich aus nachvollziehbaren Gruenden hier nicht veroeffentlichen werde. :-) Wer sie haben moechte, bitte per Mail anfragen. Ach ja, und bitte nicht boese sein, wenn ich auf eine SMS nicht reagiere - die sind ganz schoen teuer nach Deutschland...

Also: wir lesen uns naechste Woche. Bis dahin: Paris rockt!

Euer


Ralf


PS: Franzoesische Keyboards haben eine eigenartige Tastenreihenfolge. Ich bin zurueck im 2-Finger-Suchsystem...
1.10.06 15:51


Die erste Woche (07. Okt.)

Endlich habe ich Internet zuhause, deswegen erschlagen Euch jetzt auch zwei ziemlich lange Berichte aus der ersten bzw. zweiten Woche. Aber ich gelobe Besserung; ich werde häufiger etwas reinstellen, dafür weniger. Es wird eh weniger zu berichten geben, da ich die nächsten Wochen größtenteils mit Unterricht verbringen werde...

Dennoch viel Spaß! :-)



Dienstag, 26. September 2006. 1. Tag: Ankunft, Umgebung, Île de la Cité.

20:50 Uhr.

Die Zugfahrt von Osnabrück hierher war ziemlich anstrengend. Zumal bei mir zum Schluss auch noch das Chaos beim Kofferpacken ausgebrochen ist; der war einfach zu voll und dementsprechend schwer. Aber ich war froh, als ich endlich am Bahnhof bzw. im Zug war.

Im Zugabteil saßen außer mir noch ein Türke (um die 40), der keine der mir bekannten Fremdsprachen konnte, aber ein faszinierendes rollendes "r" hatte ("Turrrkish"), und der ebenfalls nach Paris wollte ("Parrris"), und ein junger Inder, etwa Anfang/Mitte 20, der in England studiert, seine deutsche Freundin in Hamburg besucht hat und nun nach Paris fuhr, um dort seine Eltern zu sehen, die dort gerade Urlaub machen. Wenn das nicht "globalisiert" ist… Mit dem habe ich mich ganz nett auf Englisch unterhalten ein paar Stunden lang. Er stellte mir eine interessante Frage: "Indien wurde 1947 unabhängig, Deutschland 1949. Wie hat es Deutschland geschafft, innerhalb von 30 Jahren zu einer solchen Wirtschaftsmacht aufzusteigen? Warum hat Indien das nicht auch geschafft?" Gute Frage! Antwort? Ich begründete es größtenteils mit dem Marshall-Plan. Außerdem war Deutschland nach dem Krieg platt; es gab nichts Anderes zu tun, als es wieder aufzubauen.

Danach habe ich doch noch die eine oder andere Stunde schlafen können. Ankunft gegen viertel vor 10 in Paris – mit einer halben Stunde Verspätung. Ob daran nun die DB oder ihr französisches Pendant, die SNCF, dran Schuld war, weiß ich nicht. Dann musste ich mit meinem Monsterkoffer jedenfalls in die Métro. Treppe runter, Treppe rauf damit war kein Vergnügen. Irgendwie hat er dabei auch eine Macke abgekriegt: Seitdem lässt sich der Griff nicht mehr richtig ein- und ausfahren.

Ankunft in der Wohnung gegen viertel nach 10. Super Lage: Im Hinterhaus, 2. Stock, das heißt: ruhig und hell gelegen. 2 Zimmer, Küche, Bad. Letzteres beides winzig, aber zweckmäßig. Métro Campo-Formio direkt vor der Haustür. Nach der Ankunft wurde der Koffer entleert, und das erste, was stand, waren der Läppi und die Boxen (brauche ja Musik beim Auspacken). Dann ging’s erstmal ins Bett – Mann, war ich fertig. Es war 12 Uhr, eigentlich wollte ich nur bis halb 2 pennen – nun gut, es wurde drei Uhr draus. Duschen, Zähneputzen.

Gegend erkunden. Um die Ecke ist ein kleiner Supermarkt, der relativ billig und gut ausgestattet zu sein scheint. Außerdem direkt einen Bäcker nebenan, zwei Apotheken, Gemüsehändler. Hier kann man sich echt wohl fühlen.

Ein paar Mal um die Blocks gelaufen bis runter zur Place d’Italie, wo ich ein riesiges Einkaufszentrum entdeckt habe. Dort gibt es u. a. einen Laden von France Télécom, wo ich meine Handykarte gekauft habe, einen riesigen FNAC (CDs, DVDs, Computer etc), Modegeschäfte und so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Ich glaube sogar ein Kino da drin gesehen zu haben.

Danach ging’s zurück zum Supermarkt, wo ich ein paar Sachen eingekauft habe. Beim Bäcker habe ich ein kleines Baguette gekauft (Cliché erfüllt!:-)) Nachdem ich dann eine Kleinigkeit gegessen hatte, hatte ich Lust auf Paris – und bin dementsprechend einfach losgestiefelt. Rein in die Métro, zweimal umsteigen, und dann war ich auf der Île de la Cité. Notre Dame wurde von der untergehenden Sonne sanft beleuchtet. Dann bin ich einmal quer über die Insel gelaufen, vom Ostende bis zum kleinen Park am Westende. Dann wurde ich langsam müde und hungrig, also bin ich noch ein wenig durch das abendliche Paris gelaufen, im Marais in die Métro und ab nach Hause. In dem Zug saß ein besoffener Typ, der Rotwein aus der Flasche trank und mit den Leuten in seiner Umgebung redete und redete und redete, ohne dass auch nur einer von ihnen ihn beachtete. Notiz an mich: Solche Leute also einfach ignorieren und Augenkontakt vermeiden.

Zuhause habe ich mir eine Pizza beim Italiener (?) 2 Häuser weiter gekauft und bei mir gegessen, während ich noch ein paar Akte von Loriot auf DVD geschaut habe. Gegen 22 Uhr war dann die Müdigkeit zu stark, und ich bin ins Bett gefallen.



Mittwoch, 27. September 2006. 2. Tag: Konto.

13:15 Uhr.

Nachdem ich heute gegen halb neun aufgestanden bin, war ich heute Vormittag wieder unterwegs, um endlich ein Konto zu eröffnen. Das ist NICHT EINFACH! Zuerst einmal: bei welcher Bank? Nun, da gab es mehrere Möglichkeiten. Zum einen hat mir mein Vorgänger an der Schule die "Banque postale", die frz. Postbank empfohlen. Das macht auch Sinn; wenn man sich nicht in Frankreich auskennt, kann man zumindest sicher sein, dass die Post ein vernünftiges Filialnetz haben wird.

Also stiefelte ich los, eine Post zu finden. Leichter gesagt als getan. Ich bin in Richtung Place d’Italie gelaufen, denn ich dachte, dass dort eine Post sein MUSS. Nach einer Dreiviertelstunde erfolgloser Wanderung durch Paris wollte ich schon aufgeben, als ich beschloss, einen Taxifahrer zu fragen. Er: "Eine Post? Ja, hier muss es irgendwo eine Post geben. Warten Sie mal, bevor ich Ihnen irgendwelche Dummheiten ("bêtises") erzähle…" Dann fragte er auch eine Passantin, deren Gatte (beide Schwarzafrikaner) dann mir dann grob die Richtung zeigte: "Dans ce boulevard-là." Ich tigerte also wieder los. Inzwischen kamen mir allerdings Zweifel am Filialnetz der frz. Post. Was bringt es mir, wenn ich eine Filiale am Arsch der Welt habe, um dort mein Geld abzuheben???

Nachdem ich erst in den falschen Boulevard abgebogen war (was ich nicht gemerkt hätte, wenn besagter richtungweisender Mann mir nicht hinterhergelaufen wäre), fand ich endlich die Post. Ein riesiges, hässliches Gebäude – wie in Deutschland. Ganz in blau und gelb gehalten – fast wie in Deutschland. Drinnen eine lange Schlange vor acht Schaltern, von denen vier geöffnet sind – wie in Deutschland. Nachdem ich 20 Minuten gewartet habe (wie in Deutschland), stellte sich heraus, dass das Warten sinnlos war; für Kontoeröffnungen war der "Conseiller financier" zuständig, der ein kleines, dunkles, fensterloses Büro ohne große Schlange hatte… Der gab mir dann eine Liste von Unterlagen, die ich für die Kontoeröffnung brauche.

Tja. Alternative 2 wäre "Le Crédit Lyonnais", eine Bank, die ich vom Namen her schon aus früheren Urlauben kannte. Und die eine Filiale direkt an der Place d’Italie hat! Also habe ich mir die gleichen Infos von denen geholt, als auch von der dritten Bank, der Société Générale. Die wiederum hat den Vorteil, dass sie sich direkt neben dem Haus befindet.

So oder so. Fakt ist, dass ich irgendein offizielles Dokument brauche, das belegt, dass ich hier wohne. Sonst gibt’s kein Konto.

Ach ja, witzige Anekdote: Als ich heute Vormittag wieder in dem riesigen Einkaufszentrum an der Place d’Italie war, sprang irgendeine junge Frau (Anfang 20) mit einem Block in den Händen auf mich zu und wollte irgendwas von mir (Geld, Umfrage, Geld und Umfrage – weiß der Geier). Ich unterbrach ihren Redeschwall kurz und bat sie, zu wiederholen und langsamer zu sprechen. Ihr Lächeln sprang um von "herzlich" auf "nicht ganz so herzlich", und sie fragte: "Vous vivez ici? – Wohnen Sie hier?" Worauf ich natürlich antwortete: "Non, je visite. – Nein, ich besichtige." Sie bedankte sich und drehte sich weg. Diese Nummer muss ich mir merken. Manchmal kann ein deutscher Akzent schon hilfreich sein…

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich heute Nachmittag mache. Ich hätte wohl Lust, mal zum Eiffelturm zu fahren…



Donnerstag, 28. September 2006. 3. Tag: Lycée.

17:45 Uhr.

Ich bin heute nach Achères gefahren, nachdem ich sowohl am Lycée als auch am Collège angerufen hatte. Das Lycée hatte kein Problem damit, dass ich vorbeikommen wollte, am Collège allerdings war die Lehrerin nicht da (oder nur kurz da), so dass ich mit denen vereinbart habe, dass ich am Montag kommen würde.

Mein Plan war ja ursprünglich festzustellen, wie lange die Anreise dauert. Ergebnis: fast 1,5 Stunden!!! Das schien aber daran zu liegen, dass ich am Gare de Lyon den letzten Zug nach Achères knapp verpasst habe und dort 15-20 Minuten gewartet habe. Ach ja: Als ich dort stand, habe ich es zum ersten Mal in meinem Leben in dieser Stadt mit der Angst bekommen. Aber so richtig! Ich stehe am Gleis und harre nichts ahnend der Dinge (bzw. des Zuges), als ich auf einmal neben mir ein undefinierbares Schnaufen höre. Ich drehe mich ein wenig nach rechts, und was sehe ich? Ein RIESIGES Viech von einem Hund!!! Das Monstrum (ich wage nicht einmal mehr, noch von einem Tier zu reden) ging mir auf den Vorderpfoten stehend fast bis zur Brust!!! Ohne Scheiß!!! Auf dem Vieh hätte ich reiten können!!! Das komische Schnaufgeräusch rührte vom dem Maulkorb her, dass das Vieh trug. Aber der Hammer war: Frauchen war ein Mädchen, Anfang/Mitte 20, sah etwas zerbrechlich aus, und hielt ihn an der Leine. Frauchen selber war noch etwas kleiner als ich – ergo: Monster ging mir fast bis zur Brust (von unten kommend), Frauchen ebenso (allerdings von oben kommend). Dann tat das Viech etwas, was es nicht sollte, woraufhin es einen Klaps auf die Schnauze von Frauchen bekam. Und ich dachte nur: "Wenn irgendwer dem Vieh steckt, dass es Frauchen problemlos in ihre Einzelteile zerlegen kann, dann gute Nacht." Und noch eines wusste ich ganz genau: "Wenn diese Zwei in meinen Zug steigen, nehme ich den nächsten, und wenn ich noch eine halbe Stunde warten muss! Das Viech kann sich bestimmt durch die Waggonwände beißen!"

Nun, ich hatte Glück, Viech und Frauchen nahmen einen anderen Zug.

Zurück nach Achères. Die Schule (Lycée) war leicht zu finden, ist sie doch nur ca. 200m vom Bahnhof entfernt. Ich wurde dort sehr nett empfangen, etliche Leute mit Namen, die ich alle schon wieder vergessen habe (ich und mein Namensgedächtnis!), etliche Dokumente zum Ausfüllen etc. Dann wurde ich zum Klassenraum von meiner Lehrerin geführt, wo ich zum ersten Mal mit einer frz. Klasse konfrontiert wurde. Einige Rebellen dabei, sprachliches Niveau nicht so der Bringer. Die Lehrerin schien sich auch überhaupt nicht durchsetzen zu können. Das kann ja was werden. Die Schule selber ist relativ schön anzusehen; das Gebäude ist erst 13 Jahre alt – statt dunklem Beton wurde halt heller benutzt.

In der Mittagspause wollte ich mal rüber zum Collège, um zu sehen, wo es ist. Um es kurz zu machen: Ich habe es nicht geschafft. Ich habe zwar einen Bus gefunden, der auch angeblich am Collège halten sollte, und wir waren auch kurz in der Strasse, in der das Collège sein sollte, allerdings gab es keine Stationsansagen im Bus, die Haltestellen war schlecht beschildert (oft gar nicht), und der Bus ist ohne Scheiß kreuz und quer durch den Ort gefahren! An einigen Stellen kam er sogar zweimal vorbei: einmal auf dem Hinweg und einmal auf dem Rückweg. Und ich dachte, eine halbe Stunde würde reichen, um kurz in den Ort zu fahren! Völlig entgeistert stieg ich dann am Rathaus aus in der Hoffnung, ich würde dort vielleicht einen Stadtplan (Dorfplan?) bekommen. Aber das Rathaus war natürlich zu. Also bin ich in der prallen Sonne (25°C) zurück zur Schule gelaufen, wo die nächste Stunde natürlich schon angefangen hatte.

Wenn ich die erste Gruppe schon für rebellisch hielt, dann waren diese richtig schlimm. Handys im Unterricht, Gesabbel, kaum Mitarbeit, keiner schrieb mit. Und wieder mangelndes Durchsetzungsvermögen seitens der Lehrerin. Bin mal gespannt, wie ich mit denen werde arbeiten können.

Mit der Lehrerin habe ich mich jedenfalls sehr gut verstanden, obwohl ich glaube, dass es die Dame ist, die mein Vorgänger als etwas "schwierig" bezeichnete. Ich werde ihn das nochmals fragen, sobald ich Internet habe.

Ansonsten freue ich mich darauf, meine Unterrichtsideen auszuprobieren und mal wieder vor einer Klasse zu stehen. Auch auf das Collège bin ich sehr gespannt.

Ausgehen werde ich heute wohl nicht mehr, dazu bin ich ein wenig zu schlapp. Morgen werde ich mal das Goetheinstitut besuchen.



Freitag, 29. September 2006. 4. Tag: Kollaps.

10:10 Uhr.

Ich werde heute nicht ins Goetheinstitut gehen, denn ich habe mir eine schöne Erkältung eingefangen. Ich konnte kaum schlafen heute Nacht, bin sogar zweimal aufgewacht, weil meine Kehle völlig verrotzt war und ich nicht einatmen konnte. Ich hatte dabei sogar das Gefühl, als müsste ich ersticken.

Daher war ich kurz einkaufen (Medikamente, Wasser…) und konnte nicht widerstehen, auch ein Glas Nutella mitzunehmen. Ich werde den heutigen Tag zu Hause verbringen und mich auskurieren.


21:00 Uhr.

Es geht etwas besser; die Medikamente scheinen zu wirken. Ich habe wie angekündigt den Tag in meiner Wohnung verbracht. Eben habe ich gedacht, jetzt kümmere ich mich mal ums Internet, als ich feststellte, dass mir dazu ein Kabel fehlt. Die Franzosen benutzen wieder andere Anschlüsse als die Deutschen. Ist aber halb so wild, ich habe das Kabel schon am Dienstag im FNAC am Place d’Italie gesehen, allzu teuer dürfte es nicht werden. Ich hoffe, dass ich morgen fit genug bin, um es zu kaufen.



Samstag, 30. September 2006. 5. Tag: Konto, Internet.

15:45 Uhr.

Es geht mir heute deutlich besser als gestern, wenn ich auch noch nicht ganz fit bin. Ich war im Einkaufszentrum am Place d’Italie und habe mir ein Telefonkabel gekauft und eine AOL CD mitgenommen, mit der ich relativ einfach und ungebunden ins Netz kommen kann. Installation hat auch geklappt, allerdings kann ich mich erst komplett registrieren lassen, sobald ich meine Carte Bleue habe – womit wir beim 2. heutigen Punkt angekommen wären: meinem Konto. Ich habe es heute tatsächlich eröffnen können! Nachdem ich heute Morgen mit dem Vermieter gesprochen habe, will er den Beleg faxen am Montag. Nun habe ich also Gott sein Dank ein Konto in Frankreich bei der Société Générale. Und meine Carte Bleue kommt nächste Woche, also werde ich mich noch bis dahin gedulden müssen.

Ansonsten wird im Interesse des Genesungsprozesses nichts mehr passieren. Morgen werde ich evtl. ein Internetcafé aufsuchen, um mal ein paar Meldungen rauszuschicken.
7.10.06 10:00


Die zweite Woche (07. Okt)

Montag, 02. Oktober 2006. 7. Tag: Erster Arbeitstag.

19:30 Uhr.

Zuerst ein kurzer Nachtrag zu gestern: Ich war wirklich nur kurz im Internetcafé und habe mir vorher eine Monatskarte für die Métro gekauft. Das war’s. Es war also ein recht ereignisarmer Sonntag.

Aber nun zu heute: Was für ein Tag! Da ich heute um halb neun im Lycée sein musste, hieß das um 5:45 Uhr aufstehen. Da ich immer noch ziemlich erkältet war, hatte ich nicht mal mehr besonders gut geschlafen. Um Punkt 7 Uhr habe ich dann die Wohnung verlassen und kam auch pünktlich um 8 Uhr im Lycée an, wo es mir erstmal – deutlich gesagt – scheiße ging. Diese Erkältung wurde durch die Fahrt in den Zügen auch nicht besser. Manche waren klimatisiert, und man stand natürlich direkt im kalten Luftstrom. Super! Im nächsten Zug war es dann so voll, dass die Luft feucht und stickig war. Auch toll! Nachdem dann aber alle ausgestiegen waren, merkte man auf einmal wieder die Klimaanlage. Und dabei soll man gesund werden?!?

Ansonsten habe ich alle Unterlagen im Lycée abgegeben, das mit dem Gehaltsvorschuss sollte also klappen. Darüber hinaus habe ich ein paar neue Klassen kennen gelernt, und ich muss sagen, ich bin immer noch geschockt über den Umgang bzw. das Verhalten der Schüler. Sie pennen im Unterricht, zerknüllen Deutschtests etc. vor den Augen der Lehrerin, und die reagiert nicht einmal!!! Ihr Durchsetzungsvermögen ist einfach gleich null! Sie ist ja menschlich, persönlich sehr nett, und ich komme gut mit ihr aus, aber sie muss bei den Schülern soviel falsch gemacht haben, dass die sie nicht mehr ernst nehmen. Die redeten teilweise so laut, dass ich denjenigen Schüler, der regulär drangenommen wurde, nicht mehr verstehen konnte. Ich weiß noch nicht genau, wie ich mit denen umgehen soll, wenn die sich bei mir genauso aufführen. Ich finde dieses Verhalten jedenfalls unter aller Sau, führe es teilweise (oder eher größtenteils) aber auch auf die Lehrerin zurück.

Im Collège, wo ich heute zum ersten Mal, wehte ein anderer Wind. Die dortige Lehrerin machte einen kompetenteren Eindruck. Gut, mit 13jährigen umzugehen ist auch was anderes, die sind noch etwas handzahm. Jedenfalls finde ich, dass ihre Unterrichtsqualität besser war.

Der Stundenplan steht bis auf eine Überlappung (un chevauchement – neue Vokabel), die morgen klären muss. Des Weiteren muss ich mir noch Gedanken machen, was ich mit den Kleinen vom Collège machen will. Aber ehrlich gesagt, bin ich dazu jetzt zu müde. Ich werde wohl gleich ins Bett gehen (auch wenn es gerade mal kurz nach acht ist) und morgen zu der üblichen Zeit wie heute aufstehen, damit ich in den Rhythmus komme.

Ich habe heute Abend meinen Namen an den Briefkasten geklebt. Ich glaube, jetzt bin ich angekommen.



Dienstag, 03. Oktober 2006. 8. Tag: Zweiter Arbeitstag.

20:00 Uhr.

Endlich ist mein Stundenplan fertig. Ich werde mal davon absehen, ihn hier reinzusetzen. Wozu auch. Tatsächlich ist es aber so, dass ich mittwochs und freitags frei habe. Die restlichen Arbeitstage sind halb so wild. Außerdem bin ich froh, dass ich morgens früh um 8 bzw. 8:30 Uhr anfange – denn später wäre es kein Vergnügen gewesen, nach Achères zu fahren. Heute zum Beispiel musste ich um 10 Uhr am Collège sein. Darum konnte ich heute gegen 9 Uhr "das Leben in vollen Zügen genießen" – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich glaube, so was habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Ab Nanterre ging’s dann aber schlagartig. Die meisten Leute fahren nur bis Défense oder Nanterre. Danach bekommt man sogar einen Sitzplatz. Nun gut, so komme ich nun vor der rush hour da durch.

Was mir allerdings noch etwas Sorgen bereitet, ist das Schülerverhalten. Zwei aus der ersten Klasse (première), die ich am Donnerstag kennen gelernt habe, haben heute wieder einen Mist gebaut, der unter aller Sau war. Nicht nur, dass sie in ihrer Stunde massiv gestört haben, sondern sie haben auch noch in der darauf folgenden Stunde gestört!!! Die Lehrerin hat die Tür von innen verschlossen! Ich weiß nicht, ob ich mich wiederhole, aber so ein Verhalten ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen (weder von den Schülern, noch von den Lehrern). Oder war ich einfach nur an guten Schulen?

Ich glaube einfach, das Problem ist, dass niemand die Lehrerin noch in irgendeiner Form Ernst nimmt. Sie kann sich einfach nicht durchsetzen. Die Frage, die ich mir jetzt allerdings stelle, ist: wie werden sie sich bei mir verhalten? Werden sie mich respektieren? Denn die Lehrerin respektieren sie offensichtlich nicht im Geringsten. Zugegeben, ich bin einen Kopf größer als sie, wiege ca. das Doppelte und habe eine kräftigere Stimme – aber wird das ausreichen, um bei Schülern mehr Eindruck zu schinden?

Auf der anderen Seite will ich nicht nur durch körperliche Größe präsent sein, sondern auch durch einen guten und interessanten Unterricht punkten. Und da stellt sich jetzt die Frage, wie realistisch das ist? Oder ist das einfach nur noch naiv zu glauben, dass man bei solchen Problemschülern mit gutem Unterricht noch was reißen kann? Andererseits wiederum: sind es denn tatsächlich Problemschüler?

Fragen über Fragen. Das Interessante daran ist, dass ich mir diesen ganzen Text nicht großartig vorher durch den Kopf habe gehen lassen, sondern einfach nur getippt habe, was mir in den Sinn kam… Ich muss abwarten – wohl oder übel – und schauen, wie es bei mir läuft. Ich hoffe, dass es klappt. Ansonsten wird es ein anstrengendes halbes Jahr.

Auch wenn’s mir heute deutlich besser geht (die Erkältung hat stark nachgelassen), so werde ich auch wieder früh ins Bett gehen. Morgen und übermorgen ist das Assistententreffen in Marly-le-roi, und wir sollen um 9 Uhr da sein. Ich werde also um 7 Uhr das Haus verlassen, dann bin ich gegen halb 8 am Gare de Lyon, wo ich in den RER einsteige, der gegen Viertel vor 8 an der Défense ankommt. Von da an brauche ich eine halbe Stunde bis Marly, so dass ich zwischen Viertel nach 8 und halb 9 dort ankomme. Dann noch ein kurzer Marsch bis ins Lycée, das müsste eigentlich reichen. Also: um spätestens 6 Uhr ist die Nacht zu Ende.

Also: bonne nuit!

PS: Zwei wichtige neue Vokabeln: perforeuse (Locher) und agrafeuse (Tacker). :-))




Mittwoch, 04. Oktober 2006. 9. Tag: Infoveranstaltung, erster Tag.

18:30 Uhr.

Die Fahrt nach Marly raus dauerte wie üblich 1:15 h – mit der Konsequenz, dass ich der erste war um 8:15 Uhr. Es dauerte aber gar nicht lange, da tröpfelten auch die anderen ein. Unter anderem eine nette Schweizerin (25 J.) mit einem zynischen und trockenen Sinn für Humor ("In Hiroshima ist ja noch 'nicht viel' passiert…" :-) ). Die anderen Assistenten sind tatsächlich über die ganze académie verteilt; ich bin einer der wenigen, der direkt in Paris wohnt. Ätsch! :-)

Die Infoveranstaltung war recht interessant; viele Ideen und Tipps haben sie uns vermittelt. Für mich waren da auch einige Denkanstösse dabei, wie ich vielleicht mit meinen Schülern umgehen muss/werde/könnte/sollte. Aber da ich jetzt müde bin, werde ich noch ein wenig in der Broschüre blättern, die wir heute bekommen haben. Dann etwas daddeln und in Bälde ins Bett gehen. Ich werde morgen früh wohl etwas später aufstehen, mal schauen.



Samstag, 07. Oktober 2006. 12. Tag: Wochenende.

09:30 Uhr.

Nachdem ich ja nun ein paar Tage nichts mehr geschrieben habe, wird es nun mal wieder Zeit. Der zweite Tag der Infoveranstaltung war ganz nett, inhaltlich hat es so viel nicht mehr gebracht, aber dafür haben wir viel gelacht ("Ich wurde wegen Unkompetenz gefeuert.") Abends habe ich mich dann noch mit Sebastian und Antonio verabredet. Wir haben uns vor dem Centre Pompidou getroffen und sind dann im Marais unterwegs gewesen. Um 22 Uhr war dann aber Feierabend, weil ich einfach zu müde war. Wenn man morgens um 6 Uhr aufsteht, ist man abends um 10 Uhr einfach platt.

Am Freitag hatte ich frei, was aber nicht bedeutet, dass ich lange geschlafen hätte. Ich habe zwar durchgeschlafen (zum ersten Mal seit langem wegen der Erkältung), war aber um halb sieben wach und konnte auch nicht wieder einschlafen. Also bin ich aufgestanden und nach Achères gefahren, wo ich noch einiges im Lycée zu erledigen hatte: carnet d’absence, Schulbücher etc. Die Sekretärin der Intendance hat mir versichert, dass das mit dem Gehaltsvorschuss automatisch laufen würde. Ich hoffe es jedenfalls stark. Außerdem habe ich mit der Lehrerin noch einige grobe Details für meinen Unterricht Montag besprochen.

Gegen Mittag war ich dann zurück in Paris, und mein nächster Gang führte zum Friseur. Ich habe bei mir um die Ecke einen kleinen Laden gefunden, wo ich auch sofort bedient wurde. Er gehört einer kleinen Vietnamesin, die sehr nett war. Ich habe mich nett mit ihr unterhalten, während sie mir die Haare geschnitten hat. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen. Danach habe ich noch eine Papeterie gefunden, in der ich u. a. eine perforeuse gekauft habe. Nachmittags kam dann Sebastian vorbei, wir waren dann zusammen einkaufen und haben abends mit Antonio gekocht. Sebastian will heute Abend in ein Konzert in Notre Dame. Dort werden Mozart, Bach usw. gespielt. Mich würde das auch interessieren, allerdings mache ich ein Erscheinen im Moment von meinem Husten abhängig.

Mal schauen, was der heutige Tag sonst noch bringt. Ich muss in die Wäscherei und irgendwie mein Handy aufladen. Und ich sollte mit meiner Unterrichtsplanung anfangen.
7.10.06 10:14


Die dritte Woche, Teil I (10. Okt.)

Sonntag, 08. Oktober 2006. 13. Tag: Wochenende II.

09:00 Uhr.

Ich habe leider gestern nicht mehr all das geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Stattdessen habe ich den einen Teil damit verbracht, meine Unterlagen für die Schule zu sortieren, die seit einer Woche kreuz und quer durch die Wohnung fliegen, den anderen Teil brachte ich damit zu, einen Schal zu kaufen, den ich aber nicht fand, und stattdessen eine Uhr zu kaufen. Naja.

Abends war ich dann noch mit Sebastian auf dem Konzert in Notre Dame. Gestern war in Paris nämlich die „Nuit blanche“, und die Museen hatten länger auf, es gab Konzerte, Artisten etc. Ganz Paris war auf den Beinen, die Strassen und die Metro waren rappelvoll. Zurück zu Notre Dame. Das Konzert selber war toll, die Musik sehr schön, und in der Kathedrale wirkt das natürlich auch noch mal ganz anders. Sie haben sogar Bachs „Toccata et Fuge“ gespielt!!! Das war mein persönlicher Höhepunkt. Während dieses Liedes war das Universum für mich im Einklang…:-)

Was allerdings störte, waren all diese Touristen, die die ganze Zeit aufstanden und gingen, neue kamen etc. Da herrschte während des Konzertes ein reger Durchgangsverkehr – was ich ehrlich gesagt unmöglich fand. Meiner Meinung nach hätte man die Türen schließen sollen, damit man „uns Pariser“ nicht beim Konzertgenuss stört. :-)

Das Konzert ging bis kurz nach 11 Uhr. Danach ging Sebastian zurück auf seine Party, auf der er Antonio zurück lassen musste, und ich ging in Richtung Marais. Auch da war der Teufel los – mir unbegreiflich, wie man in einer solchen Nacht mit dem Auto durch den Marais fahren kann! Jedenfalls kamen die Autos kaum vorwärts, zu Fuß ging’s schneller.

Dort stromerte ich dann noch bis Mitternacht oder so rum. Dann bin ich zur Bastille gelaufen und in Richtung Bett gefahren. Ich war auch müde genug…



Dienstag, 10. Oktober 2006. 15. Tag: Erster Unterricht.

20:00 Uhr.

Mann, bin ich fertig. Mir fallen jetzt schon die Augen zu. Ich bin heute um 5 Uhr (!!!) aufgestanden, da ich schon um 8 im Collège sein musste. Dabei habe ich kaum geschlafen… Aber gleich bin ich im Bett. Vorher will ich aber noch kurz was zu meinen ersten Unterrichtserfahrungen schreiben.

Gestern, am Montag, hatte ich ein paar von den Abschlussklassen im Lycée. Da es bei denen mit stetigen Schritten in Richtung Abitur geht, lief es ganz gut. Sie haben also nicht wirklich gestört oder sonstigen Mist gebaut. Das waren auch eher die jüngeren Klassen. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich gut mit ihnen arbeiten konnte. Und dass einige von ihnen froh waren, nicht bei der Lehrerin sitzen zu müssen… Außerdem hatte ich noch eine Klasse am Collège, eine 9. Klasse (troisième), mit der es eigentlich auch gut lief.

Heute wurde es dann interessant: Drei Stunden im Collège mit einer 8. Klasse (quatrième), einer 6. Klasse (sixième) und einer 7. Klasse (cinquième). Das Verhalten der Kinder war einwandfrei, in Einzelfällen vielleicht etwas aufgekratzt oder vorlaut, aber nichts Schlimmes. Nächste Woche wird es interessant, denn dann ist meine Lehrerin in Deutschland auf einem Austausch, und ich werde dann öfters alleine ran müssen. Allons, enfants de la patrie…

Spannend wurde es für mich heute schon, denn in der letzten Stunde (16.30-17.30 Uhr) sollte ich einer der Störklassen am Lycée übernehmen. Also nicht die gesamte Klasse, sondern die Klasse wurde in zwei Hälften geteilt, von denen eine ich übernehmen sollte. Und ich muss sagen, dass meine Befürchtungen (bis jetzt) unbegründet waren: die Stunde lief gut, die Schüler waren ruhig und arbeiteten mit, auch wenn sie noch wenig von sich aus gesagt haben. Aber von den Störereien, die ich bei der Lehrerin gesehen hatte, war bei mir nichts zu merken. OK, einmal hat ein Schüler Grenzen ausgetestet: Er saß erst vorne rechts, wo er alleine an einem Zweiertisch saß, und wollte dann nach hinten in die 4. oder 5. Reihe, wo er mir zu verdeckt gewesen wäre (immerhin war er mir vorher durch eine nicht unbeträchtliche Lautstärke aufgefallen…). Als ich bemerkte, dass er den Tisch wechselte, macht ich ihm mit wenigen Worten und Gesten klar, dass er bitte wieder an seinem ersten Tisch Platz nehmen möchte, damit ich ihn besser sehen könne, woraufhin er irgendwas schimpfte (was ich nicht verstand – ist wohl auch besser so), seinen Rucksack nahm, zu seinem alten Tisch ging und den Rucksack auf den leeren Platz neben ihm knallte. Ich habe ihn einfach ignoriert und meinen Unterricht fortgeführt – danach war die Sache gegessen. Er blieb ruhig auf seinem Platz und arbeitete mit. Momentan betrachte ich das noch als eindeutigen Punktsieg für mich. Mal schauen, wie’s nächste Woche wird.

Die Lehrerin musste derweil wieder mit ihren Leuten kämpfen, während meine froh zu sein schienen, nicht bei ihr sein zu müssen. Nach der Stunde fragte sie, wie es bei mir gelaufen ist, was ich wahrheitsgemäß mit „Absolut ruhig und ohne Probleme“ beantwortete. Dabei tat sie mir echt leicht… OK, wie gesagt, ich bin noch neu für die Schüler, und ich glaube nicht, dass es ewig weitergehen wird mit Friede, Freude, Eierkuchen. Reibereien wird es sicherlich mal irgendwann geben. Aber vielleicht wird es auch ein angenehmes Jahr werden. Ich glaube, eine gute Basis dafür ist gelegt. Der Rest wird sich zeigen.

Zumal es ja jetzt auch das erste Mal in meinem Leben ist, dass ich so lange Zeit (knapp 6 Monate) durchgehen unterrichte. Irgendwann wird sich der Alltag schon noch einschleichen – und die Routine, hoffe ich. Denn eines macht mir noch Probleme: meine Unterrichtsplanung. Entweder ich plane viel zu viel, was ich in 55 Minuten nie durchgenommen kriege, oder ich suche mir zu schwierige Sachen raus – wie heute Morgen in der quatrième. Aber mir fehlt halt noch die Fähigkeit abzuschätzen, was die Schüler können. Nun gut, was sie nicht können, habe ich heute ganz gut rausgefunden… *grins* Jedenfalls freue ich mich auf meine weiteren Stunden.

Eine Sache noch: als ich heute Morgen im Dunklen nach Achères gefahren bin, waren draußen ein dicker Nebel und eine irre hohe Luftfeuchtigkeit, richtig ekelig. Als dann der Zug durch die Vororte fuhr, war es richtig gespenstisch: einzelne orange Lampen beleuchteten spärlich die Gleise, so dass weiche Wolken von Nebel und Feuchtigkeit um sie herum klebten, und auf den Gleisen standen Güterzüge, die sich schwarz vor diesem orangemattklebrigen Licht abhoben, aber auch nur schemenhaft. Das war schon ein Anblick. Leider konnte ich ihn nicht die ganze Fahrt über genießen – die meiste Zeit im Zug habe ich gepennt.

Und das werde ich jetzt auch machen. Gute Nacht.

PS: Nächste Woche ist die letzte Aufführung von Donizettis „Lucia di Lammermoor“ in der Opéra Nationale de Paris, Zweigstelle Bastille. Im Internet waren keine Karten mehr zu bekommen, aber ich gehe mal zur Kasse hin morgen und versuche, eine zu bekommen – das würde mich doch zu sehr reizen. Und ärgern, wenn ich es verpasste…
10.10.06 20:39


Die dritte Woche, Teil II (17. Okt.)

Dienstag, 17. Oktober. 22. Tag: Wieder eine Woche um.

Da ich gerade in meinem Collège sitze und zwei Freistunden habe, dachte ich mir, dass ich mal wieder mein Blog hier aktualisieren könnte. Da es sich hierbei natürlich wieder um so ein ippeliges französisches Keyboard handelt, bitte ich evtl. Tippfehler im Vorfeld zu entschuldigen. :-)

Heute vor einer Woche habe ich meinen letzten Eintrag eingestellt, und so gibt es auch wieder ein paar Dinge zu berichten. Ich hatte ja als letztes geschrieben, dass ich in die Oper will. Ich war auch am Mittwoch dort und habe nach Karten gefragt – aber es war restlos ausverkauft...!!! Das hat mich mittelschwer bis hart getroffen. Und meine einzige Gelegenheit wäre noch gewesen, gestern (Montag) ab 15 Uhr zu warten, ob nicht noch irgendwelche Karten zurück gegeben wurden. Aber nach einem anstrengenden Arbeitstag hatte ich dazu nicht wirklich Lust. So habe ich leider Lucia nicht hier gesehen. Aber eine Alternative steht ins Haus/ am 02. November kommt Jamie Cullum nach Paris. Wer sich in der neueren Jazzszene ein wenig auskennt, wird über diesen Namen schonmal gestolpert sein. Die Karten kosten jedenfalls erschwingliche 38 EUR. Ich denke; ich werde das dann spontan entscheiden – immerhin ist der Dienstag mein Hammertag. Allerdings sind dann Ferien. :-)

Am 15. November oder so spielt Frankreich übrigens gegen Girechenland in der EM-Quali im Stade de France... wäre auch noch eine Alternative. Karten gab es jedenfalls bis vor kurzem noch.

Die anderen Arbeitstage waren angenehm. Ich hatte letzten Donnerstag zwei meiner befürchteten Problemklassen, die aber eigentlich ganz umgänglich waren. Auf alle Fälle war ihr Verhalten nicht so wie bei der Lehrerin. Zwei Gruppen haben mir sogar bestätigt, dass sie lieber bei mir bleiben würden als bei ihr. Für mich ist das natürlich ein grossartiges Kompliment. Andererseits tut mir aber auch die Lehrerin irgendwie leid... Tja, da muss sie wohl durch... Ein paar Jahre noch bis zur Rente. Ich weiss, dass sich das irgendwie doof und zynisch anhört – ist aber eben so.

Freitag habe ich mal wieder Tourist gespielt. Ich habe meine Digicam genommen und mich unter die anderen „Terrouristen“ gemischt – und bin in einem Anflug von Wahnsinn auf den Eiffelturm gestiegen – immerhin war das Wetter vormittags grandios: Sonne und klare Sicht. Gegen Mittag war ich da, während die Reisebusse Massen von Touristen ausspuckten. Da die Schlange vor den Fahrstühlen beänstigend lang war, habe ich mich dazu durchgerungen, bis zur 2. Etage zu Fuss die Treppe hinauf zu gehen. Das klappte eigentlich auch ganz mit ein wenig Autosuggestion: „Dort oben ist ein toller Ausblick... Jeder Schritt, jede Stufe bringt dich einer tollen Aussicht näher...“ Das tat es auch – aber: auf der 2. Etage musste man dann doch einen Fahrstuhl nach ganz oben nehmen, und dort stellte ich fest, dass in Paris wohl gerade der „Tag des englischen Schulkindes“ war, denn ich war plötzlich von Scharen kleiner Briten umgeben. UND SIE TRUGEN ALLE TRAININGSHOSEN!!!! Ich zwängte mich mit ihnen in den Fahrstuhl, ich drängelte mich mit ihnen auf der Spitze usw. Ich hab dann nur noch zugesehen, dass ich meine Fotos mache und dann ab dafür. Der Himmel zog sich eh langsam zu, also fuhr ich wieder runter.

Dann ging meine Tourisafari weiter: kurz über die Seine zum Trocadéro und noch ein paar Fotos geschossen, dann zum Arc de Triomphe und dann die Champs-Elysées runter bis zu den Tuilerien. Abends war ich entsprechend platt. Damit habe ich aber auch fast mein ganzes touristisches Pflichtprogramm abgehakt; lediglich Versailles fehlen noch und Sacré-Coeur. Und ein paar Museen wie der Louvre und das Edith Piaf Museum. :-)

Ansonsten hat jetzt meine 2. richtige Arbeitswoche begonnen, und es läuft noch gut und macht Spass. Eine witzige Anekdote aus dem lycée habe ich noch vergessen: In der Europaklasse (Geschichtsunterrricht auf deutsch, 5 Schüler) besprachen wir Deutschland nach dem Krieg und die dort noch nicht stattfindende geistige Aufarbeitung des Krieges. Ein Text erklärte, dass viele Kriegsheimkehrer einfach nur die Schnauze voll hatten; sie hatten ihre Jugend im Krieg gelassen, waren evtl. verletzt worden und wollten einfach nur eine eigene Existenz aufbauen und nicht über die ganzen Erlebnisse nachdenken. Deswegen stürzten sich auch viele Menschen dann einfach in die Arbeit, um sich abzulenken. Das leuchtete einem der Schüler ein, der einen Geistesblitz hatte und meinte: „Ah! ‚Arbeit macht frei’!“ Meine Reaktion könnt Ihr Euch denken – und ich erklärte ihm, warum er mit diesem Spruch vorsichtig sein sollte... Er hat das dann auch sofort eingesehen.

Und ach ja, neulich wollte wieder irgendeine Organisation Geld von mir. Meine „ich-komme-nicht-von-hier-und-spreche-eure-komische-Sprache-nicht“-Nummer funktioniert immer noch. :-)

In diesem Sinne alles Gute aus der Grande Nation!
17.10.06 12:20


Die 4. und 5. Woche (30. Okt.)

Sonntag, 22. Oktober. 27. Tag:
Sonntag=Wochenende=Pause.


11:20 Uhr.

Gehen wir wieder mal chronologisch vor. Nun liegt auch meine zweite „richtige“ Arbeitswoche hinter mir, und sie ist ebenso gut verlaufen wie die erste. Die Schüler waren insgesamt umgänglich und haben gut mitgearbeitet – teilweise sogar besser mitgearbeitet als bei der Lehrerin. Ich schiebe daher ihr Verhalten der Lehrerin in die Schuhe, denn bei mir sind sie nicht so. Natürlich haben ein paar Schüler mal ausgelotet, wie weit sie wohl gehen dürfen, aber das war alles noch im normalen Rahmen. Insgesamt betrachtet liege ich nach Punkten vorn.

Zugegeben, ich bin auch in einer angenehmen Situation: Ich kann den Unterricht mit interessanteren Materialien spicken als die Lehrerin es kann, und ich gebe keine Noten – wobei letzteres eigentlich potentielle Unruhestifter eher noch anspornt. Vielleicht wissen sie das nicht??? :-)

Auch die Kleinen im Collège letzte Woche waren putzig. Ich hatte eine 6. Klasse, die nächstes Jahr ihre 2. Fremdsprache wählt, und die jetzt Einführungskurse in Deutsch haben. Die haben mich das erste Mal französisch reden gehört und haben mich alle möglichen Löcher in den Bauch gefragt; wo ich herkomme, was ich hier mache, wo ich hier wohne, warum Paris etc. Einer meinte sogar, dass ich sehr gut französisch spräche. Kleiner Schleimer. :-) Nächsten Dienstag habe ich die 2. Hälfte dieser Klasse, mal schauen, wie die so drauf sind.

Ansonsten habe ich wieder Besuch aus der Heimat, meine Patentante und ihr Gatte sind hier. Mit denen bin ich jetzt 2 Tage durch Paris gelaufen (was auch ein Grund dafür ist, warum ich heute zuhause bin). Also konnte ich weiteres touristisches Pflichtprogramm abhaken.

Ich stürze mich jetzt wieder in meine Unterrichtsvorbereitung. Die Sonne scheint gerade richtig schön auf das herbstliche Paris – ich bin glatt am überlegen, ob ich das Wetter nicht nutzen sollte und zu Sacre-Coeur rausfahren sollte…

Hat jemand meine Goodbye Lenin-DVD gesehen? Ich finde die nicht mehr, dabei habe ich den Film doch noch vor ein paar Tagen gesehen?! Ich versteh das nicht…



Montag, 30. Oktober. 35. Tag: Montmartre,
senegalesische Armbänder, Edith Piaf.


19:00 Uhr.

Meine Goodbye Lenin-DVD hatte ich meiner Lehrerin geliehen – und das natürlich vergessen. Alzheimer lässt grüßen….

Aus der letzten Schulwoche gibt es nicht allzu viel zu berichten; der Unterricht lief normal weiter (zumindest am Montag und Dienstag), es gab keine besonderen Vorkommnisse, und außerdem habe ich seit Mittwoch Ferien! 10 Tage Toussaints (Allerheiligen). Is’ auch mal ganz schön. Der Oktober war schon ein harter Monat. :-)

Das Schöne am Leben in Paris ist, dass man spontan mal eben irgendwo hingehen kann, wenn einem einfällt: „Mensch, ich wollte doch noch ein bestimmtes Foto vom Eiffelturm machen!“ oder wenn man etwas im letzten Urlaub zeitlich nicht mehr unterbringen konnte. Da das Wetter zurzeit auch ganz angenehm ist (oft scheint die Sonne und es gibt keine bis kaum Wolken am Himmel), lohnt es sich auch, die Kamera einzupacken und noch mal nach Montmartre rauszufahren.

Und so kam es, dass ich heute in gleich zwei (in Zahlen: 2!!!!) Touristenfallen getappt bin.

(Der folgende Bericht wurde zur Unterhaltung der Leserinnen und Leser etwas dramatisiert, fand aber tatsächlich statt – auch wenn nicht ganz so übertrieben wie beschrieben. Ich bitte die geneigte Leserin/den geneigten Leser, dieses bei der Lektüre der folgenden Absätze zu bedenken.)

Beginnen wir wieder chronologisch. Zuerst beschloss ich tatsächlich, dass schöne Wetter zu nutzen und zur Basilika Sacré-Coeur rauszufahren. Das ist ja auch ein wunderschönes Gebäude, und so weiß, wie das ist, gibt ein paar wunderschöne Bilder: weiße Basilika vor tiefblauem Himmel… manche meiner Aufnahmen von heute könnten von Santorin stammen! Dann war ich auch noch mal kurz drin, habe den Rundgang durch das Kirschenschiff mitgemacht (eher unfreiwillig, ich bin einfach mit dem Touristenstrom mitgeschwommen) und bin danach wieder abgehauen.

Das Problem war bloß, dahin zu kommen. Direkt von der Métrostation „Anvers“ führte der Weg durch eine Gasse, in der sich ein Souvenirladen an den nächsten reihte. Da bin ich ja noch ganz gut durchgekommen.

Aber am Ende der Gasse warteten sie.

Erbarmungslos.

Auf ahnungslose Touristen.

Auf mich.

Afrikanische Souvenirverkäufer, die mit allen möglichen Tricks versuchen, ihren Schund loszuwerden. Allerdings muss ich zugeben, dass sie ihre Masche geändert haben: Vor knapp zehn Jahren durfte man nicht den Fehler machen, sie oder den Schund, den sie mit sich rumschleppen, anzuschauen. Wenn man das schaffte, hatte man relativ gute Chancen, mit gleich bleibender Menge Geld im Portemonnaie an ihnen vorbeizukommen.

Diese Chance hat man heute nicht mehr.

Heute sieht man nicht mehr, was sie einem andrehen wollen.

Aber sie sehen dich.

Und sie können riechen, dass du Tourist bist.

Ich sah also, wie sich vor dem Garten mit den Treppen zu Sacré-Coeur hinauf eine Phalanx von Souvenirverkäufern aufhielt. Es gab dort zwei Tore, das linke, durch das soeben zwei junge Damen um die 20 schritten, und das rechte. Die beiden Mädels hatten keine Chance. Zu zweit kamen sofort 2 Souvenirverkäufer auf sie zu, umzingelten sie und versuchten, ihren Ramsch loszuwerden – was immer das auch war, ich hatte es ja noch nicht gesehen. Alles, was ich wusste, war, dass sie mit komischen Bindfäden rumliefen…?

Aber ich wollte es auch gar nicht rausfinden. Ich bemerkte, dass das rechte Tor „unbewacht“ war und nutzte die Gelegenheit, unbemerkt in den Garten mit den Treppen zu gelangen. Mich auf der sicheren Seite wähnend machte ich den wohl alles entscheidenden Fehler: ich holte meine Kamera aus dem Rucksack. Der Effekt ist vergleichbar mit dem von Blut in einem Becken voller hungriger Haie.

Ich machte ein, zwei Fotos von Sacré-Coeur und wollte mich auf den Weg nach oben machen, als ich das nächste Problem bemerkte: die Treppen rechts, die ich eigentlich nehmen wollte, waren eine riesige Baustelle, und so gab es nur einen Weg nach oben: die linke Treppe.

An den Souvenirverkäufern vorbei.

„Das schaffst du, Ralf!“ machte ich mir Mut. „Du bist kein kleines blödes 20jähriges Mädchen, das sich von denen einfangen lässt! Du bist groß! Du bist erwachsen. DU BIST BÖSE! Außerdem hast du doch deinen MP3-Player gerade an und die Kopfhörer auf – wenn dich einer anspricht, dann hörst du ihn eben nicht!“ Eigentlich ein guter Plan. „Mit Kopfhörer und Sonnenbrille bist du quasi unsichtbar!“

So ging ich festen Schrittes los in Richtung Treppe. Dabei machte ich einen weiten Bogen nach rechts, um möglichst weiträumig an den Souvenirverkäufern vorbei zu kommen. Doch trotz meiner Tarnkleidung wurde ich entdeckt; ein Souvenirverkäufer kam schräg von links auf mich zu und textete mich zu. Ich wehrte ab, hob dankend, aber ablehnend, die Hand und versuchte weiterzugehen.

Er ließ nicht locker.

Er nahm meine Hand und bedeutete mir, den Zeigefinger zu spreizen.

Und diese eine Sekunde, dieser eine Moment war es, der meine persönliche Niederlage gegen alle Souvenirverkäufer der Welt einläutete: dieser unachtsame Augenblick, in dem ich jeden Gedanken an Flucht verlor und meine Neugierde siegen ließ.

Und in dem ich meinen Zeigefinger spreizte.

Ab dann ging alles sehr schnell. Ich hatte auf einmal eine Schlaufe aus vier bunten Fäden (schwarz, gelb, rot und grün) um den Zeigefinger, und er fing rasend schnell an, irgendwas daraus zu drehen. Während er friemelte, fragte er mich aus.

„Wherrre arrre you frrrom?“

„England“, antwortete ich, und das aus gutem Grunde: Ich wusste noch nicht, ob ich vielleicht würde ausfallend werden müssen. Wenn ja, wollte ich nicht, dass das auf meine Heimat zurückfällt…

„Manchester orrr Liverrrpool?“

Ich versuchte, meinen angeknacksten Stolz ob dieser Niederlage wieder aufzubauen, zog arrogant meine rechte Augenbraue hoch und sagte: „London.“

Dann faselte er irgendwas von „Misterrr Beckham“, was ich bis heute nicht verstanden habe, und fieselte weiter an diesen Bändseln rum. Dabei erklärte er: „Is good forrr you. I make you special ting cuz I like you. (sicher doch) Do you have wife orrr girlfrrriend?”

Ich biss mir auf die Zunge. „Single.“

„No prrroblem. When you go look forrr girlfrrriend, dis will make you successful. It is someting frrrom Senegal, and is good for love life, make your penis large.”

Ich dachte, ich höre nicht richtig. ‚Wieso erdreistet sich dieser Fatzke zu behaupten, dass ich einen größeren Penis nötig hätte?!?!?!?!?!?!’ Ich fragte etwas trocken: „How much is this thing going to cost me once it’s finished?“

Die Antwort hätte ich mir denken können. „No charrrge forr you, is special cuz I like you!” Natürlich. Und an den Weihnachtsmann glaube ich auch noch. Nee, is’ klar.

Als er fertig war, stellte sich heraus, dass es sich um ein Freundschaftsband handelt, was man sich ums Handgelenk bindet. Er knotete es mir um das rechte Handgelenk. „Is good forrr you, now you have good luck with a girlfrrriend, and you make good tschika-tschika!”

Dieses war eigentlich der Punkt, wo ich ihm eine hätte scheuern sollen. Erst geht er davon aus, dass mein Lulumann zu klein sei, und nun setzt er noch einen drauf und behauptet, dass ich ab jetzt gut im Bett sei!!! Woher will der Typ das wissen?! Mit dem war ich schließlich nicht im Bett!!! (Und dazu wird es auch nicht kommen, nach diesen Frechheiten!)

Ich wollte mich entfernen, da fing er an, was von Geld zu reden. Ich lasse die folgende Debatte an dieser Stelle mal weg (er hatte ja gesagt, dass es „no charrrge“ geben würde) und präsentiere das Ende: Er wollte 10 EUR haben, ich habe ihn auf sechs runtergehandelt (was eigentlich immer noch zuviel ist – aber ich wollte nur noch weg von dem Typen, der mein sensibles Ego so gekränkt hat).

Zum Abschied warnte ich ihn: „If this thing isn’t working and my tschika-tschika isn’t getting better, I’m coming back to get my money back!“ Ich bin mir nicht sicher, ob er das auch so verstanden hat.

Tja. Und nun trage ich am rechten Handgelenk ein schwarz-gelb-rot-grünes senegalesisches Freundschaftsarmband für sechs Euro von einem Typen, der glaubt, ich hätte einen kleinen Lulumann und schlechten Sex. Dazu kommt, dass das Scheißding etwas zu eng ist. Ich hoffe, dass es sich etwas weitet, wenn es erstmal nass geworden ist beim Duschen oder so.

Bevor entsprechende Anfragen kommen: Ich werde hier nicht schreiben, ob mein tschika-tschika besser wird oder irgendwas wächst!

Auf zur zweiten Touristenfalle.

Ich hatte beschlossen, dass ich nach Sacré-Coeur das Edith Piaf Museum besuchen wollte. Noch etwas angefressen machte ich mich auf den Weg und fand schließlich die Strasse, in dieses ominöse Museum sein sollte. Ich wusste, dass es ein privates Museum ist, und in dem Haus, in dem ich das Museum erwartete, war im Erdgeschoss ein Frisör. Ich schaute suchend die Fassade ab in der Hoffnung, irgendeinen Hinweis zu finden – und da passierte es.

Ich trat in die nächste Touristenfalle.

Die Pariser wissen ja in der Regel, a) wo sie sich gerade befinden, wenn sie einen Bürgersteig entlang laufen, und b) wohin sie wollen. Der Tourist weiß das oft nicht, und so schaut er sich suchend um – und übersieht die Hundescheiße, die sich überall auf den Gehwegen der Stadt verteilt. Laut meinem Reiseführer gibt es in der Stadt rund 300.000 Hunde, die jährlich 20 t Scheiße produzieren.

Und in ein Viertelpfund davon latschte ich genau vor dem Edith Piaf Museum. Meine Stimmung wurde prompt noch ein paar Grad frostiger. Und dann versucht mal, in dieser Stadt eine Rasenfläche zu finden, um das wieder abzuwischen!!! Keine Chance!!!

Dazu kam, dass am Hauseingang, den ich inzwischen fluchend und mit dem linken Fuß scharrend gefunden hatte (ein kleines Schild wies sehr dezent drauf hin), ein französisches Paar mit dem Besitzer telefonierte, der oben war und sie einließ. Man muss dort nämlich anrufen und einen Termin ausmachen, aber wenn man so dahin geht und nix los ist, lässt er einen auch so rein. Die zwei betraten jedenfalls das Haus und boten mir an, mitzukommen, was ich aber leider ablehnen musste – ich wollte erstmal meinen Schuh sauber kriegen. So konnte ich ja nirgends reingehen.

Ich kürze wieder mal ab. Nachdem ich der Meinung war, wieder ein Haus betreten zu können, stand ich wieder vor dem Museum und telefonierte mit dem Besitzer und bat um Einlass. Eine Dame aus Tschechien (ca. 40) gesellte sich zu mir, und gemeinsam besichtigten wir nun das Museum. Tja. Etliche Bilder von ihr, ein paar Kleider, ein paar Originalgegenstände – mehr war’s ehrlich gesagt nicht. Nicht mal mehr Fotos durfte man machen („Pas de photos, s’il vous plaît, c’est un appartement privé.“) Nach 10 Minuten war ich da wieder raus. Ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll… Eigentlich war’s ja ganz nett gemacht. Aber ein paar Erklärungen zu den Dingen wären schon ganz nett gewesen. Vielleicht bekommt man die nur mit Termin? Ich weiß es nicht. Was mich allerdings störte, war, dass es dort auch jede Menge Kitsch gab, zum Beispiel Gläser mit ihrem Aufdruck etc…

Naja, nun habe ich das Grab und das Museum von Edith Piaf gesehen. Hm. Hier müsste jetzt irgendeine Schlussfolgerung hin. Mir fällt aber keine ein.

Soviel zum heutigen Tage. Er war recht ereignisreich, wie ihr seht.

Bis demnächst in diesem Theater!

"Non, je ne regrette rien..."
30.10.06 21:09





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