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Die 24. Woche (24. Apr.)

Dienstag, 24. April. 181. Tag: Turnier, cadeaux, vorläufige Rückkehr nach D, Hinflug & Veränderungen, Gepäckprobleme, Fazit.

Der letzte Eintrag. Denn mal los...

Turnier

Mein langersehntes Fußballturnier sollte ja am Donnerstag, den 05. April stattfinden. Die gesamte Planung stand. Aber dann wurde es nochmal spannend.

Denn die Schüler haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zurzeit gibt es hier folgendes Problem: Ein Schüler mit nordafrikanischer Herkunft (Côte d’Ivoire) des Lycéees sollte nach dem baccalaureat abgeschoben werden. Das ist insofern gemein, dass seine Mutter, ebefalls gebürtige Elfenbeinküstlerin (?) , inzwischen einen Franzosen geheiratet hat und die frz. Staatsbürgerschaft besitzt. Dagegen wollen die Schüler nun protestieren. (Also nicht gegen die frz. Staatsbürgerschaft der Mutter, sondern... ihr wisst schon...)

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich Schüler solidarisieren, einsetzen und dabei vielleicht auch mal einen Eintrag in Ihrer Akte riskieren. Nur warum um alles in der Welt mussten sie sich den 05. April aussuchen, um vor dem Schulverwaltungsgebäude in Versailles zu demonstrieren?! Den Tag, an dem mein Fußballturnier stattfinden sollte?!

Kurzer Exkurs: Warum ich das Turnier „mein“ Turnier nenne? Nun, offiziell hatte ich es ja mit Hugo, unserem englischen Assistenten organisiert. Praktisch sah es aber so aus: Ich hatte die Idee. Ich habe zugesehen, dass wir mit der Direktorin reden. Ich habe den schriftlichen Antrag geschrieben. Ich habe den Spielplan gebastelt. Ich hatte meine Schüler angesprochen und tatsächlich 14 Mitspieler aus meinen Deutschkursen gefunden. Ich, ich, ich!

Entschuldigung, aber das musste einfach mal sein. Was ich eigentlich aber sagen wollte, war, dass ich die meiste Arbeit damit hatte. Aber genug des Eigenlobs. Davon kommt ja noch mehr im Fazit. :-)

Jedenfalls stand den ganzen Tag das Turnier auf der Kippe. Falls um 15.30 Uhr Schüler dort auftauchen würden (es war ja niemand mehr im Lycée; sie waren demonstrieren oder schwänzten), würde gespielt werden; falls nicht, dann nicht.

Umso mehr freute ich mich, dass von meinen 14 Schülern immerhin 9 gekommen sind. Dafür sind 5 andere aufgetaucht, die noch in meinen LV2-Klassen waren (also Deutsch als 2. Fremdsprache). Von Hugos Leuten, so mussten wir leider feststellen, kam kein einziger. Da war ich echt stolz auf meine Schülerinnen und Schüler!!!

Wir haben dann ein kleines Turnier mit 3 Mannschaften à 6 Spieler gespielt. Hugo und ich haben auch mitgespielt. Fragt lieber nicht, wieviele Tore ich geschossen habe. Fragt lieber, wieviele ich verursacht habe... obwohl... nee, fragt das lieber auch nicht... :-)

Cadeaux

Letztes Mal hatte ich ja geschrieben, dass mir zwei Schüler aus dem Lycée ein Abschiedsgeschenk machen wollten. Die zwei Chaoten aus der Seconde. Nun, sie haben mir das beste Geschenk gemacht, dass Schüler einem Lehrer machen können: nämlich gar keins. Sie haben es wohl vergessen oder verschusselt oder ver-was-weiß-ich-was-t. Sie haben zwar angekündigt, es mir heute geben zu wollen, aber ich gehe davon aus, dass dieser Plan wie der erste an der praktischen Durchführung scheitert.

Dafür haben mir allerdings die Lehrer des Collège eine Überraschung gemacht (der findige Leser wird bereits gemerkt haben, dass ich in der Überschrift die Mehrzahl gewählt habe...). Nachdem ich ja vor Ostern den Schokokorb hier hingestellt hatte, haben sie zwei Bücher über Paris für mich gekauft und (fast) alle drin unterschrieben. Das hat mich sehr gefreut! :-)

Vorläufige Rückkehr nach D

Dem einen oder anderen habe ich es ja bereits erzählt, aber die Rückkehr nach Deutschland mit dem Nachtzug war ziemlich chaotisch. Ich kam rechtzeitig mit dem Taxi am Gare du Nord an (mit 5 Gepäckstücken wollte ich nicht noch durch die Métro), suchte meinen Waggon, und ab dann gab es ein heilloses Durcheinander. Ich fand meine mir laut Buchung zugeteilte Liege. In dem Abteil saß eine dänische Familie, die ziemlich lange Gesichter machten, dass ich da auch noch rein wollte, denn immerhin hatten sie ein Abteil für sich gebucht, um als Familie ungestört zu sein. Dann war da noch eine dänische Mutter mit Tochter, die dummerweise in zwei verschiedenen Abteils gebucht waren. Dazwischen ich, der mit jeder Menge Gepäck den Gang verstopfte.

Als der Schaffner endlich alle untergebracht hatte und ich anfing, meine Liege zu machen, stellte ich fest, dass der Zug bereits fuhr... So konnte ich mich nicht einmal richtig beim Hinausfahren von Paris verabschieden...

Dann diese Liegen!!! Die durchschnittliche Liege ist wohl 1,80m lang. Ich bin durchschnittlich 1,86m lang. Selbst die Diagonale reichte nicht aus! Und die sind hart, diese Liegen! Ich lag wach, pennte, dachte, ich sei wach, Halbschlaf, Vollschlaf, kein Schlaf... ich war froh, als mich endlich der Schaffner weckte. Einziger Lichtblick: Wir kamen auf die Minute pünktlich in OS an!

Die anschließenden zwei Wochen in OS waren nett; ich konnte mich recht schnem wieder an den Alltag dort gewöhnen.

Hinflug & Veränderungen

Jetzt bin ich aber wieder hier (Hinflug mit der Lufthansa hat gut geklappt), und ich muss feststellen, dass sich einiges verändert hat: Früher gab es einen kostenlosen Shuttlebus, der die Terminals vom Flughafen Charles de Gaulle miteinander verbunden hat. Der wurde jetzt abgeschafft, denn es gibt jetzt einen kostenloses automatischen Zug, der diese Terminals verbindet. Dieser wurde Anfang April eröffnet – und das wußte ich nicht. So stand ich am Freitag eine Viertelstunde lang an der alten Bushaltestelle. Irgendwann fand ich dann auch den Hinweiszettel, der darauf hinweisen sollte.

Der neue Zug selber war ganz witzig. Ich stand ganz vorne, wo normalerweise der Fahrer sitzt. Es war aber auch ein komisches Gefühl, so völlig machtlos dieser Maschine ausgeliefert zu sein.

Die zweite frappierende Veränderung sind die Blätter, die während meiner Abwesenheit auf den Bäumen gewachsen sind. Ich kann nun nicht mehr sehen, ob mein Nachbar aus dem Haus schräg gegenüber Fußball schaut oder Pornos...

Gepäckprobleme

Ansonsten musste ich bei meiner Ankunft in Paris feststellen, dass ich im Abreisechaos in OS wohl die eine oder andere wichtige Sache vergessen hatte oder sinnlose Dinge eingepackt hatte.

Zum Beispiel mein Handyladegerät. Das ist eigentlich ein wichtiges Gerät, das man auf Reisen gerne vergißt, aber nicht vergessen sollte.

Ich habe es auch nicht vergessen, aber gebrauchen kann ich es dennoch nicht. Denn ich habe kein Handy hier, dass ich aufladen könnte... Das liegt nämlich auf meinem Nachtisch in OS, und wenn ihr meine Nachbarn mit meinem Klingelton ärgern wollt, lasst Ihr einfach bei mir sturmklingeln, bis der AB rangeht... oder der Akku sich verabschiedet. Laut Produktbeschreibung hat das Handy eine Standbyzeit von rund 370 Stunden. Ich schätze, dass der Akku noch ca. 75% voll war, was die Standbyzeit auf rund 277,5 Stunden reduziert. In Tagen wären das 11,6 Tage. Das heißt, dass das Handy bei meiner Rückkehr noch an sein könnte, es sei denn, Ihr nudelt jetzt zum Leidwesen meiner Nachbarn den Akku leer. :-)

Des Weiteren habe ich mein Wörterbuch in OS vergessen. Aber halb so wild, eine Woche geht auch so um.

Fazit

Lange schon wälze ich in meinem cerebrum umher, was ich hier nun schreiben soll. Ich lege einfach mal los...

War es richtig, nach Frankreich zu gehen?
Ja. Davon bin ich überzeugt. Denn ich persönlich konnte in vielerlei Hinsicht profitieren: Erstens: Ich konnte mein Französisch verbessern. Es ist zwar noch weit davon entfernt, perfekt zu sein, ist aber besser als vorher. Zweitens: Ich konnte Unterrichtserfahrung sammeln – etwas, was im normalen Studium ja nun eher selten, meiner Meinung nach aber extrem wichtig ist. Dabei konnte/musste/durfte ich auch lernen, dass es schöne Stunden gibt und weniger schöne; Stunden, wo man das Gefühl hat, dass sie zu schnell vorbei gehen, und Stunden, wo man froh ist, wenn sie endlich um sind. Es gab nette Schüler, es gab... naja... andere Schüler.

Konnte Frankreich von meinem Aufenthalt profitieren?
Interessante Frage. Da ich Angestellter des französischen Bildungsministeriums bin, dürfte es den französischen Steuerzahler am meisten interessieren, ob es auch den Franzosen etwas gebracht hat.

Ich würde diese Frage vorsichtig mit einem zart gehauchten „ja“ beantworten. Insgesamt ist es schwierig zu sagen, ob es bei den Schülern einen Lernfortschritt gab. Da ich ja kein „richtiger“ Lehrer bin und kein Unterrichtsbuch habe, wo ich nach ein paar Lektionen eine Klassenarbeit schreiben kann, um so den Fortschritt zu messen und zu beurteilen, ist es schwer zu sagen, ob die Schüler Wissen generieren konnten. Dennoch glaube ich, dass sie profitiert haben, sei es durch neue Vokabeln oder grammatikalische Vertiefungen. So habe ich zum Beispiel gestern gesehen, dass Schüler eine Deklinationstabelle benutzt haben, die ich mit ihnen erstellt und ausgefüllt habe. Ganz so unsinnig kann meine Zeit hier nicht gewesen sein.

Konnte Deutschland von meinem Aufenthalt profitieren?
Noch eine interessante Frage. Ich denke ja. Einerseits konnte ich mich weiterentwickeln, um später ein besserer Lehrer zu sein. Andererseits denke ich, dass ich auch ein guter und loyaler Repräsentant meines Landes war. Die Schüler mochten mich, meine Kollegen auch; ich denke, ich habe Deutschland ganz gut vertreten hier.

Was hat sich für mich verändert?
Auch wenn man es kaum glauben mag, aber: einiges! Fangen wir mit den körperlichen Veränderungen an: Ich habe ca. 25kg Gewicht verloren, das entspricht ca. einem Viertel meines ursprünglichen Gewichts. Grund dafür war nicht eine eiserne Diät oder die hohen Preise in Paris, sondern Magenprobleme. Deren Behandlung steht in Deutschland auf meiner „to do“-Liste gaaanz weit oben.

Andererseits meine Sicht von Paris. Ich bin immer ein großer Fan dieser Stadt gewesen. Ich kannte sogar Paris besser als Berlin (sogar vor meinem Aufenthalt hier). Ich glaube, ich hatte immer eine sehr romantische Sicht von der Stadt (ich sag nur Schlagworte wie „die Stadt der Liebe“). Jetzt ist mir bewusst geworden, dass Paris im Prinzip eine Stadt wie jede andere ist. Knapp über zwei Millionen Einwohner versuchen hier, ihr Leben zu leben, zu arbeiten, zu wohnen etc. Dann sind da noch all die Touristen und ein paar Sehenswürdigkeiten.

Aber ich liebe ich diese Stadt deswegen weniger? Nein. Ich habe das Gefühl, dass sich mir ein bißchen das wahre, authentische Paris offenbart hat, dass mir die Stadt ein wenig von seiner Wirklichkeit gezeigt hat. Alle touristisch interessante Orte habe ich sicherlich auch nicht gesehen, aber das ist ok. Ich wollte das echte Paris kennen lernen, und das habe ich.

Ansonsten weiß ich, dass ich wieder meinen Horizont erweitern konnte, denn ein halbes Jahr in einem fremden Land hat mir auch viele neues Sichtweisen beschert – und neue Themen (man denke nur an die Wahlen, die Ausschreitungen am Gare du Nord oder die deutsch-französischen Beziehungen und, und, und...). um es mal mit den Worten von Edith Piaf auszudrücken: „Non, je ne regrette rien“.

Sonst noch was?
Nö. Ich glaube, ich habe alles gesagt, was ich zu sagen hatte. Damit werde ich jetzt auch diesen letzten Blogeintrag langsam, aber sicher, nach Hause schaukeln.

Spätestens im Sommer werde ich dieses Blog löschen, da es mit meiner Rückkehr am Sonntagabend nach 186 Tagen bzw. nach 24 Wochen seine Aufgabe erfüllt hat (Ankunft in OS gegen Mitternacht). Ich habe aber alle Einträge von mir uns Gästebucheinträge als .doc-Dokument aufbewahrt.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei den fleißigen Leserinnen und Lesern fürs Lesen und bei den Feedbackgeberinnen und Feedbackgebern fürs Feedbackgeben bedanken.

Im Falle eines Falle bin ich noch bis Donnerstagmittag per Mail zu erreichen.

Au revoir, chère France!


Ralf

PS: Ich stelle gerade fest, dass 186 Tage nicht 24, sondern 26 Wochen entsprechen. Irgendwo habe ich mich wohl verzählt. Egal. Jetzt habe ich auch keinen Bock mehr, das zu überprüfen...
24.4.07 11:16


Die 23. Woche (03. Apr.)

Dienstag, 03. April. 171. Tag: Gare du Nord, Zugticket und Rückfahrt, Abschied, „cadeau“, RATP (mal wieder), Politikerbücher, Konferenz, „Je suis en train de relever mes trottoirs“.

Vorletzter Eintrag. Aufikowski!

Gare du Nord

Der eine oder andere wird es vielleicht mitbekommen haben: am Gare du Nord kam es letzten Dienstag zu Ausschreitungen à la banlieue (siehe Artikel vom STERN, vom SPIEGEL oder aus LE FIGARO). Insgesamt geht es wohl darum, dass ein illegaler Einwanderer kein Ticket hatte, sich seiner Festnahme durch RATP-Personal widersetzte, was andere Jugendliche mit Migrationshintergrund sahen, woraufhin diese... Im Endeffekt wurde der ganze Gare du Nord gesperrt, Hundertschaften und Tränengas kamen zum Einsatz, der Foot Locker und einige andere Geschäfte wurden geplündert... alles in allem viel Chaos wegen eines nicht bezahlten Tickets. Die ersten Unruhen wegen des Schwarzfahrers waren gegen 16.30 Uhr, die Plünderungen der Geschäfte ein paar Stunden später.

Was ich persönlich aber am schlimmsten finde, ist die Tatsache, dass es bei den Plünderungen nicht darum ging, einem armen Einwanderer zu helfen, der von den bösen Polizisten abgeführt wurde. Au contraire, ich habe eher das Gefühl, dass sich dort eine Aggression entlud, die das letzte Mal bei den Ausschreitungen im Oktober 2006 zu sehen war. Es ging nicht um soziale Gerechtigkeit oder um eine Demonstration von Solidarität. Ich glaube, dass waren Hass, Aggression, das Gefühl, sich benachteiligt zu fühlen usw., die zu diesen Krawallen führten.

Ich persönlich habe diese Krawallen nur am Rande mitbekommen, den meine Métro 5, die auch über den Gare du Nord fährt, fuhr abends, als ich nach Hause wollte, etwas unregelmäßiger. Ich freue mich schon drauf: Sonntag fahre ich abends ab dem Gare du Nord zurück nach Deutschland.

Diese geradezu geniale und pulitzerverdächtige Überleitung führt mich zu meinem nächsten Punkt, nämlich...

Zugticket und Rückfahrt

Fesch, oder? :-)

Sonntag geht also mein Nachtzug um 20.46 Uhr am Gare du Nord (ohne Ausschreitungen, hoffe ich) in Richtung Heimat. Ich muss diesmal mit dem Zug fahren, da ich zuviel Gepäck habe, um es ins Flugzeug zu nehmen. Die erlauben ja immer nur 20 kg.

Deshalb (witzige Anekdote) habe ich schon vor knapp einem Monat ein Zugticket gekauft. Während ich auf der Hinfahrt 29 EUR (!!!) bezahlt habe, kostete es jetzt auf der Rückfahrt 117 EUR.

Warum?

Nun, erstmal muss ich am Wochenende fahren und kann daher nicht wie im September unter der Woche fahren. Zweitens ist Ostern, da wollen viele Wohl für ein verlängertes Wochenende nach Paris. Da war das Sparkontingent entsprechend schnell vergriffen.

Jedenfalls sollte ein normales Sitzplatzticket rd. 100 EUR kosten. Als ich dann im internet gesehen habe, dass ein Liegeplatzticket im Viererabteil nur 17 EUR mehr kostet, habe ich mir gedacht, dass ich da paar Kröten auch noch habe.

„Und wo ist da jetzt der Witz?“ magst du vielleicht fragen.

Nun, die Verkäuferin von der Bahn schaute sich erstaunt den Preis an und sagte: „Na, das hört sich doch gar nicht mal so schlecht an, 100 EUR nach Paris, oder?“ Sie erwartete wohl meine uneingeschränkte Zustimmung.

„Ja“, sagte ich also artig, „besonders wenn man bedenkt, dass ich bei der Lufthansa für das gleiche Geld hin und zurück fliege und nur einen Bruchteil der Zeit unterwegs bin...“ Dazu fiel ihr nichts mehr ein. Ich nahm mein Ticket, verabschiedete mich höflich und ging.

Jedenfalls komme ich am Ostermontag gegen 5 Uhr in OS an. Ich bitte von evtl. Anrufen vor 12 Uhr mittags abzusehen...

Und deswegen bin ich auch bereits dabei, meinen vorläufigen...

Abschied

...zu organisieren. Ein paar Klassen sehe ich diese Woche zum letzten Mal, dass heißt, der Unterricht geht dementsprechend lax (Lachs?) zu. Auch bei den Lehrer wollte ich mich gebührend bedanken und habe daher zwei Osterkörbe gekauft und Schokolade reingetan. So steht jetzt in jedem meiner beiden Lehrerzimmer (also am Lycée und am Collège) ein Körbchen mit Schokolade im Wert von knapp 20 EUR. Eine große Packung Ferrero Rocher kostet hier fast 6 EUR!!! Ist da etwa auch Luxussteuer drauf?!

Auch ein paar Schüler haben angekundigt, mir ein...

„cadeau“

..., ein Geschenk zu Abschied machen zu wollen. Is’ ja ganz nett gemeint, eigentlich. Dummerweise sind das in diesem Fall aber die zwei größten Lausbuben aus der 2LV1; der eine, der damals die rote Karte gesehen hat, und der andere, der eigentlich jedes Mal kurz davor ist, auch eine zu sehen.

Ich muss zugeben, dass mir ein wenig unwohl ist bei diesem Gedanken... Ich werde zu berichten wissen, um was für ein „Geschenk“ es sich handelt.

RATP (mal wieder)

Dennoch durfte ich mich heute mal wieder über die RATP aufregen, die mir das Leben wieder unnötig schwer gemacht hat. Als ich heute Morgen an der Bastille ankam, stand auf den Infomonitoren, dass es wegen einer technischen Störung der Linie 1 zwischen den Stationen „Nation“ und irgendwo anders zu Unterbechungen im Verkehr kam.

Das ist insofern dämlich, weil es mich direkt betraf.

Hätte ich jetzt die Stationen der Linie 1 gekannt, hätte ich erkennen können, dass ich würde warten müssen. Hätte ich das erkannt, hätte ich nicht zwei Minuten auf dem Bahnsteig gestanden und gehofft, dass ein Wunder geschieht oder eine Métro kommt. Hätte ich nicht gewartet, ob was passiert, sondern wäre sofort zur Métro 5 gelaufen, hätte ich nicht 5 Minuten unten am Bahnsteig der Linie 5 warten müssen, um einen anderen Weg zu Gare de Lyon zu nehmen. Hätte ich diese Wartezeit gespart, hätte ich nicht um zwei Minuten heute Morgen meinen RER nach Achères verpasst.

Ganz schön konjuntivlastig, dieser Teil, gell?

Zum Glück hatte ich heute nichts vorzubereiten. Daher konnte ich dann heute Morgen, als ich eine Viertelstunde im Gare de Lyon meines RERs harrte, mir verschiedene...

Politikerbücher

...anschauen – oder zumindest ihre Titel. Da ist zum Beispiel eines von Jacques Chirac mit dem Titel „Mon combat pour la paix – Mein Kampf für den Frieden“; eines über Jacques Chirac, dessen Titel ich vergessen habe; eines über Ségolène Royal mit dem Titel „L’insoumise – Die Aufsässige“; eines über Nicolas Sarkozy namens „Un pouvoir nommé désir“ (in Anlehnung an das Theaterstück „A Streetcar Named Desire“ von Tennesse Williams) und eines über François Bayrou namens „Projet d’espoir – Das Konzept Hoffnung“. von Le Pen gibt es erstaunlicherweise (oder glücklicherweise) keines, dafür aber von seiner Tochter und Kronprinzessin Marine Le Pen („A contre flots – Gegen den Strom“).

Das ist ja nun schon genauso schlimm wie in Deutschland: Gerhard „Lehrer-sind-faule-Säcke“ Schröder („Entscheidungen. Mein Leben in der Politik“) oder Angela Merkel („Mein Weg. Ein Gespräch mit Hugo Müller-Vogg“).

Mein Gott, wer soll sich denn diesen Schund anschauen, geschweige denn durchlesen?

Ich jedenfalls nicht. Ich widersetze mich. Darf hier ja eh nicht wählen...

Konferenz

Wählen durften dafür die Schüler, beziehungsweise ganz speziell jene der 2LV2, über die ja jetzt am Samstag konferiert wurde in Anwesenheit der Eltern. Ich hatte ja berichtet, dass ein paar von ihnen meinen Klassenraum gesalzt und gesenft (?) haben.

Fazit dieser Konferenz: Die Schüler geloben Besserung und sollen/wollen Buch über ihr Verhalten führen, die Eltern gaben sich geschockt (wegen ihrer Blagen)und verständnisvoll (wegen der Leerkörper), und keiner der beteiligten Lehrer glaubt, dass es was bringt.

Super, oder?

Je suis en train de relever mes trottoirs

So. Feierabend für heute, für diese Woche und fürs Erste. Der nächste und definitv letzte Eintrag folgt also am Dienstag, den 24.04.2007, etwa um dieselbe Zeit.

Der Brüller der Woche wurde um einen Bilderrätselwitz erweitert... Viel Vergnügen.

„Je suis en train de relever mes trottoirs – Ich klappe gerade meine Bürgersteige hoch.“ Diesen Satz würde hier niemand verstehen... :-)

Au revoir,


moi
3.4.07 11:49


Die 22. Woche (27. Mrz.)

Dienstag, 27. März. 164. Tag: TOTO, PSG, XXX, 2LV2, bac blanc.

09:35 Uhr.

Mann, bin ich müde... Bon, allons-y.

TOTO

Der Grund für meine Müdigkeit ist diese Band, die ich ja bereits im letzten Blog angekündigt hatte. Die waren gestern Abend hier in Paris, und ich habe das Konzert besucht.

Laut Karte sollte es um 20.30 Uhr losgehen. Ich dachte mir, die Vorband schenkste dir, und auch auf die Gefahr, den Anfang zu verpassen, war ich gegen kurz vor neun da. Die Vorband, eine einzelne Sängerin mit Gitarre, verließ gerade die Bühne, und um halb 10 fing dann TOTO an. Und das in guter und üblicher Qualität und Manier.

„Peinliche“ alte Männer, die einen auf jung zu machen versuchten, konnte ich auf der Bühne nicht entdecken. Für mich waren das eher Spitzenmusiker, die 30 Jahre lang Studioerfahrung und 25 (?) Jahre Tournee-Erfahrung haben und ganz genau wußten, was sie können und drauf haben. Es ging los mit ein paar Liedern vom neuen Album, die ich noch nicht kannte, aber reibungslos ins TOTO-Schema zu passen scheinen.

Ich persönlich hatte ja gehofft, dass sie mehr von ihren alten Liedern spielen würden, denn mit Bobby Kimball, der ja der Sänger der ersten vier Alben war (meiner Meinung nach auch die besten vier!), würde es sich ja anbieten, die alten Nummern wieder rauszuholen. Schwierig ist dabei dann allerdings, wie man so 13 Studioalben unterbringen will (wenn ich mich nicht verzählt habe). Insofern war es ein sehr bunter Mix aus, glaube ich, fast allen Alben. Die geplante Setlist findet Ihr unter diesem Link (unten auf der Seite, der vorletzte Eintrag) und entspricht etwa der tatsächlichen von gestern Abend.

Ansonsten war es halt das übliche Erlebnis; der Sound war 1 A, die Stimmung war auch gut, nur Steve Lukather mit seiner Tendenz, aus jedem kurzen Intermezzo ein längeres Solo zu machen, zog m. M. n. das eine oder andere Stück unnötig in die Länge. Schade fand ich auch, dass David Paich nicht mehr dabei ist (aus familiären Gründen, er tourt nur noch in den USA mit). Der Ersatzkeyboarder konnte musikalisch zwar mithalten; stimmlich kam er aber bei weitem nicht an ihn ran. Mike Porcaro hatte sich auch die Hand verletzt, so blieb nur noch Steve Lukather als einziges Gründungmitglied übrig, dass die 30 Jahre kontinuierlich miterlebt hat. Und eben Bobby Kimball, der nach 15 Jahren TOTO-Abstinenz (wegen Drogenproblemen) wieder an Bord ist.

Insgesamt war es ein schönes Konzert, und ich bereue nicht, dort hingegangen zu sein. Witzig: am Ausgang standen – wie bei jedem Konzert – Verkäufer, die ihre Poster für 2 EUR das Stück vertickert haben. Ich habe mir für diesen Preis natürlich eins mitgenommen, zweifele allerdings an der Authentizität: auf der Vorderseite ist TOTO drauf (mit Tourdaten, sieht ziemlich selbstgemacht aus), und auf der Rückseite ist Good Charlotte drauf – die am 19. Mai hier spielen... Naja, 2 EUR halt...

Um kurz nach Mitternacht war ich dann zu Hause, bis ich im Bett war, war’s halb eins, und um 5 Uhr klingelte der Wecker. Daher: Sorry, Leute, aber Tippfehler gehen mir heute echt am A**** vorbei. (Pssst: Eben habe ich den Schülern in der ersten Stunde eine Rechercheaufgabe im Internet gegeben – so hatte ich wenigstens meine Ruhe...)

PSG

Neulich in der Métro: ich stehe in der Station Châtelet/Les Halles und harre der Bahn. Ein paar Meter neben mir eine Gruppe von ca. 10 Leuten mit Schildern, wo irgendwas von „Marseille“ drauf stand. Was genau konnte ich nicht erkennen (Streik? Soziale Bewegung?).

Als dann die Bahn einfuhr, befand sich dort drin eine Gruppe von französischen Jugendlichen (alkoholisiert), und diese „groupe marseillais“ und ich stiegen ein. Dann erblickte einer von den Jugendlichen diese Schilder und brüllte durch den Zug: „Hé! Les Marseillais! C’est quoi, ces panneaux?!“ („Ey, Ihr aus Marseille, was sind das für Schilder?!“)

Die antworteten auch irgendwas, das ich nicht verstand, da ich ein paar Meter weiter weg stand, woraufhin die Jugendlichen begannen zu skandieren: „PSG – Hooligan! PSG – Hooligan!“ Ich habe mir sagen lassen, dass es eine große Rivalitäat zwischen den Anhängern von PSG (für alle, die es nicht kennen, das ist der Fußballverein Paris-St. Germain) und denen von Bordeaux gibt. Oder war das Lyon? Egal, sie fingen jedenfalls an, auf Olympique Marseille zu schimpfen: „Les filles y sont légères, et les pédés sont là!“ (Zwingt mich bitte nicht, das zu übersetzen…)

Überraschend fand ich allerdings, wie gut sie das stimmhafte „h“, das „h aspirée“ ausgesprochen haben. Das hört man hier selten... Und es erinnerte mich an die guten alten Zeiten in Hannover, in denen systematisch Üstra-Wagen von feiernden Fans außer Gefecht gesetzt wurden. Etwas, was in Zweit- und Drittligazeiten ja nicht allzu häufig vorkam...

XXX

Ich habe lange überlegt, ob ich es schreiben soll oder nicht. Dann habe ich mich dagegen entschieden. Ich werde nicht schreiben, dass ich von meiner Wohnung in den Wohnblock gegenüber schauen kann. Und ich werde nicht schreiben, dass dort ein Wohnzimmer ist, in dem der Bewohner entweder Fußball schaut oder Fußball auf der Playstation spielt, denn der Fernseher ist sehr gut sichtbar hinter dem Fenster. Und ich werde definitiv nicht schreiben, dass da neulich ein Hardcoreporno lief und die gesamte Nachbarschaft einen Fellatio beobachten konnte. Dabei schien die digitale Qualität gar nicht mal so schlecht zu sein (wahrscheinlich besser als von Handykameras).

Aber so ein Schweinkram gehört hier nicht hin. Ich finde es nur interessant, dass in den letzten drei Blogs das Wort „Fellatio“ vorkam...

2LV2

Wieder eine Klasse, die mir auf den Senkel ging. Aber bevor ich berichte, möchte ich kurz auf diese Abkürzung eingehen, die letzte Woche ein wenig Verwirrung stiftete.

Die Abkürzung „2LV2“ bedeutet „seconde“ (also 10. Klasse), „LV“ bedeutet „langue vivante“, die 1 bzw. 2 dahinter zeigt an, ob es die erste oder zweite Fremdsprache ist. Alles klar? :-)

Bei dieser 10. Klasse mit Deutsch als 2. Fremdsprache handelt es sich auch um so eine Problemgruppe. Erstmal verteilten sie neulich Salz (!!!) im Klassenraum. Das hatten ein paar Schüler in diesen kleinen Aufreißpäckchen aus der Cafeteria mitgenommen und auf ihrem Tisch verstreut und fanden es nun witzig, so zu tun, als sei es Kokain. Nachdem ich sie dazu gebracht hatte, den Scheiß wegzuschmeißen, zeigte ich ihnen Zeitschriften aus Deutschland, die sie vorstellen sollten. Einer dieser pubertierenden Jungs meinte nun, jedes Bild einer Frau mit „elle avale“ („sie schluckt“) kommentieren zu müssen.

Ich war froh, als diese Stunde zu Ende war. Danach kam eine andere Lehrerin in den Raum, die noch mehr Salz entdeckte, woraufhin ich die Übeltäter sofort in den Raum zurückzitiert habe zum Putzen.

Da ist mit echt der Kragen geplatzt. Die drei haben mich zum letzten Mal gesehen. Zum Glück bin ich in der Position, einzele Nervensägen und Störenfriede ausschließen zu können. Jetzt könnte man aber wieder dieses Schülerverhalten meiner Lehrerin mit dem eklatanten Mangel an Durchsetzungsvermögen anhängen wollen. Das funktioniert aber diesmal nicht, denn so ziemlich jeder Lehrer, der den Namen dieser Klasse hörte, verzog das Gesicht. Die Schüler haben sich einen Ruf „erarbeitet“. Jetzt am Samstag gibt es eine Konferenz, an der die Lehrer und Eltern teilnehmen. Denn das Maß scheint voll zu sein. Zumal es jetzt auch um die Sicherheit geht, denn der Physiklehrer beklagte sich über das Rumspritzen mit Wasser, während die Schüler irgendwelche elektrischen Versuche aufbauen sollten...

Mal schauen, was die Konferenz ergibt.

Bac blanc

Die Schüler der Terminale (Abiturklasse) hatten mal wieder bac blanc, also Probeabi. Allerdings nicht alle, und einige glaubten/hofften, bei mir Unterricht zu haben. Naja, da man mir gesagt hatte, dass mein Unterricht ausfallen würde, hatte ich natürlich auch nichts vorbereitet. Na gut, stattdessen haben wir halt Poker gespielt, und ich hatte 2x einen Flush – sans avoir triché (ohne geschummelt zu haben).


Gute Nacht!

PS: Nicht vergessen: nächste Woche kommt der vorletzte Eintrag, und der letzte vor meiner (vorläufigen) Rückkehr nach Allemagne.

PPS: Morgen Abend spielt Frankreich gegen Österreich im Stade de France. Das Sonderangebot, für 18 EUR eine von 20.000 reduzierten Karten zu kaufen, ist jetzt noch buchbar über Internet. Das Stadion scheint ziemlich leer zu sein morgen...
27.3.07 10:45


Die 21. Woche (20. Mrz.)

Dienstag, 20. März. 150. Tag: Ärger mit der RATP, Terrouristen, Videohandyvideo 2. Teil, 2LV1, Seine-Romantik, Enjoll, TOTO.

09:45 Uhr.

Hossa, aber diesmal könnte er länger werden, der Eintrag. „Auf, auf, Verdammte dieser Eeeerdee....“

Ärger mit der RATP

Ja, heute Morgen war es mal wieder soweit. Ich stieg nichts Böses ahnend in meinen RER am Gare de Lyon und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Und sie kamen.

In Maisons-Laffitte kam dann die charmante Durchsage, dass hier nun Endstation sei, denn wegen einer „havarie de materiel à Achères-Ville“ könne der Zug nicht weiterfahren. Man bat uns höflich, jedoch sehr bestimmt, den beheizten Zug zu verlassen. Das feuerte natürlich den Unmut einiger Reisender an – unter anderem auch meinen. Allerdings stand neben mir ein Herr, der richtig die Schnauze gestrichen voll hatte:

„C’est la troisième fois cette semaine. Et je suis en retard au boulot. Ma femme me fait la gueule parce que je ne rentre chez nous que pour dormir!!!“

Übersetzt etwa: „Das ist jetzt das dritte Mail diese Woche! Und ich komme zu spät zur Maloche. Meine Frau hat eine Scheißwut, weil ich nur noch zum Schlafen nach Hause komme!!!“

Obwohl ich ob dieses Kommentars innerlich laut lachen musste, so konnte ich seine Unzufriedenheit doch gut verstehen. Ich meine, es war ja überhaupt nicht kalt draußen, so um die 5 Grad Celsius, und ein leichter Schneestaub lag auf dem Boden. (Man achte auf den ätzenden Zynismus in diesem Satz.) Und zum Glück hatte ich auch gaaaar keine Kopien und Ausdrucke vorzubereiten. (Ätzender Zynismus.)

Aber sehen wir das ganze mal anders: Es ging hier immerhin um eine Havarie! Was würde uns bei der Ankunft im Bahnhof von Achères erwarten? Ein ausgebrannter und geplünderter Zug? Leichenberge? Pöbel mit Mistgabeln? Warlords, die nach dem Zusammenbruch jeglicher demokratischen Strukturen ihre Macht sichern wollten und mit Hilfe von bewaffneten Milizen strategisch günstige Punkte (wie den überteuerten Snackautomaten) besetzten?

Irgendwann spuckte auch ein zweiter Zug seine Gäste in Maisons-Laffitte aus, der dritte fuhr in eine andere Richtung, und der vierte in Richtung Achères nahm dann wieder Fahrgäste auf. Nach also knapp 20 Minuten auf dem kalten Bahnsteig dort schien es weiter zu gehen. Der Zug fuhr los, die Spannung stieg.

Zusätzlichen Zündstoff bekamen diese Horrorszenarien durch einen theatralisch sehr passend gesetzten unplanmäßigen Stopp mitten auf den Gleisen zwischen Achères und Maisons-Laffitte. Und dann rollte der Zug weiter. Und was erwartete uns am Bahnhof?

Nichts.

Keine Leichenberge, kein geplünderter Zug. Nur noch mehr Menschen, die sauer waren, dass keine Züge fuhren.

Ich beeilte mich also, in meine Schule zu kommen (zum Glück kam gerade ein Bus), jagte schnell ein paar Ausdrucke durch den Drucker und nudelte ein paar Kopien ab. Dann, mit etwa fünf Minuten Verspätung, betrat ich den Pausenhof, wo meine Schüler bereits meine Abwesenheit feierten. Dementsprechend war ihre Begeisterung, als sie mich dann doch noch ankommen sahen.

Ja, so wird man gerne begrüßt...

Terrouristen

Wir Pariser haben es schon nicht leicht. Da wohnen wir zwar hier in dieser wunderbaren Stadt, haben aber dauernd mit den Terrouristen zu kämpfen.

Ein Beispiel gefällig?

Ich befand mich in der Métro auf dem Weg zum Gare de Lyon, in der 5 kurz vor dem Gare d’Austerlitz, um genau zu sein. Dort stieg auf einmal eine Horde von Skandinaviern ein. Mit Gepäck natürlich. Und „parkten“ mich ein.

Das war an sich schon mal nicht sonderlich angenehm; alleine zwischen lauter Wikingern eingepfercht zu werden, die eine leichte Alkoholfahne hatten. Richtig unangenehm wurde es zwei Stationen später, an der Bastille, als ich aussteigen musste: Ich kam nämlich nicht raus! Ich war gezwungen, über Taschen, Bänke und andere Pariser hinweg zur nächsten Tür zu klettern, um nicht noch eine Station weiter zu fahren.

Wir arme Pariser... :-)

Videohandyvideo 2. Teil

Bevor jetzt irgendwelche falschen Hoffnungen geweckt wurden: Nein, es gibt keinen 2. Teil von dem Video. Es soll lediglich gezeigt werden, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist.

Ich habe jetzt inzwischen die ganzen Ausmaße dieser Ereignisse entdeckt. Für diejenigen unter Euch, die nicht mehr genau wissen, worum es geht, möchte ich ganz kurz die Ereignisse umreißen:

Schüler (16) hat Freundin (13). Er überredet sie zum Fellatio (Kommentar einer Lehrerin, die mir das erzählt hat: „Je vais pas t’expliquer, cherche-le dans un dictionnaire! – Ich werde dir nicht erklären, was das ist, schau’s im Wörterbuch nach!“ Ich überlegte, wie ich ihr dezent klarmachen könnte, dass ich durchaus weiß, was das ist... ohne auf evtl. vorhandene praktische oder theoretische Erfahrungen schließen zu lassen.)

Ähem. Egal. Zurück zu unseren Turteltauben.

Dabei ließen sich die beiden mittels Videohandy filmen. Da das ganze aber in den Winterferien im Februar passierte, hatte das noch nichts mit der Schule zu tun. Es passierte nicht auf dem Gelände oder so, insofern war das Collège nicht involviert.

Es wurde erst dann ein Schulproblem, als dieses Video sich auf wundersame Weise von Schülerhandy zu Schülerhandy weiter verbreitete – in der Schule. Immerhin ist die beteilgte „Dame“ minderjährig.

Deswegen wurde deswegen eine Konferenz der Schulleitung abgehalten. Der männliche Hauptdarsteller ist bekannt (keine Ahnung, woran man ihn erkannt hat, haha – will ich auch gar nicht wissen...), seine „actress in a leading role“ offiziell nicht, inoffiziell schon.

Aber jetzt wird’s kriminell.

Denn besagter Schüler beschloss mit drei oder vier Freunden, sich zu der Versammlung der Schulleitung ebenfalls hier zu versammeln und Ärger zu machen. Es kam zu Wortgefechten, unerlaubtem Eindringen auf das Schulgelände, und zum Schluss wurde die Polizei gerufen, um das ganze aufzulösen. Jetzt wird dem Schüler „Einschüchterung mit einhergehender Provokation eines Schulbediensteten in Ausübung seiner Funktion und unerlaubtes Betreten des Schulgeländes“ vorgeworfen.

Seitdem kreisen jetzt dauernd Anweisungen der Schulleitung im Lehrerzimmer, wie mit Handys und Rowdys umzugehen ist.

Naja. Zum Glück habe ich das bald hinter mir...

Seine-Romantik

Nachts um Viertel nach zwölf in einem romantischen kleinen Park direkt an der Seine zu küssen ist ja ganz nett. Allerdings sollte man darauf vorbereitet sein und nicht gerade pissen müssen wie ein Rennpferd.

2LV1

Die Seconde, die ich letzte Woche alleine unterrichtete, war letzte Woche umgänglich; soll heißen, besser als befürchtet, allerdings schlimmer als bestenfalls möglich. Da sie alle am Quasseln waren, hätte ich nur noch brüllen können, um sie zu übertönen. Dazu hatte ich aber keine Lust. Also schwieg ich. Ich setzte mich an auf einen freien Tisch in der ersten Reihe und schwieg. Und wartete.

Interessanterweise fruchtete das! Die Schüler quasselten eine Weile weiter, aber dann merkten sie, dass ich auf sie wartete, und beruhigten sich. Schließlich wollten sie sogar wissen, was wir heute machen würden. Als Thema hatte ich Redewendungen und Umgangssprache ausgewählt. Daran schienen sie einigermaßen interessiert, und so konnte die Stunde relativ gesittet ablaufen.

Am Collège funktioniert das nicht...

Enjoll

Wisst Ihr, was ein „enjoll“ ist? Nein? Ich gebe Euch einen Tipp: Es ist ein englisches Wort.

„Enjoll“. Also „endscholl“ ausgesprochen.

Na? Immer noch nicht?

Es gibt ein Lied von den Scorpions, das heißt „Send Me An Enjoll“.

Genau. Das Wort heißt eigentlich „angel“. „Enjoll“ ist die Aussprache einer französischen Kollegin, die diese Sprache unterrichten soll...

Gut, ich gebe ja zu, mein Französisch ist auch alles andere als perfekt, sicherlich! Aber so’n Akzent habe selbst ich nicht drauf...

TOTO

„Africa“, „Rosanna“ etc.; diese Lieder schießen einem sofort durch den Kopf, wenn man den Namen dieser Band hört. Dabei gibt es noch viele andere grandioser Lieder, die es nie ins Radio geschafft haben...!

Jedenfalls kommt genau diese meine alte Jugendliebe nach Paris: nächsten Montag ist um 21 Uhr das Konzert im Zénith. Und ich habe seit letzter Woch ein Ticket! Boom, baby. Auch wenn man mir aus zuverlässiger Quelle versicherte, dass ein letzter Fernsehauftritt nur „peinlich“ war, da die alten Herren einen auf jung zu machen versuchten, habe ich beschlossen, mir das anzuschauen. Ersten waren TOTO meine erste Band, die ich live in concert gesehen habe; zweitens ist das letzte Konzert ein paar Jahre her, und drittens werde ich so schnell kein Konzert mehr in meiner Nähe haben. (Osnabrück ist nicht so das Mekka für interessante Bands und Konzerte...)

Das bedeutet aber auch, dass ich nächste Woche todmüde sein werde, wenn ich meinen vorvorletzten Eintrag in dieses Blog schreibe. Jepp, mir bleiben noch dreieinhalb Unterrichtswochen, zweieinhalb davon vor den französischen Osterferien. Meine vorläufige Rückreise findet dann in der Nacht vom 08. auf den 09. April statt, an dem ich gegen 5 Uhr morgens in OS ankomme. Am Freitag, den 20., fliege ich wieder runter, da ich noch eine Woche arbeiten muss. Meine endgültige Abreise ist dann am 29. April.

Das bedeutet, dass mein letzter Blogeintrag am 24.04.07 hier erscheinen wird. Kleiner Teaser vorweg: Mit riesigem Fazit und Halbjahresrückblick!

„Hold the line!“

Ralf
20.3.07 11:39


Die 20. Woche (13. Mrz.)

Dienstag, 13. März. 143. Tag: Châtoh & Paris im Frühling, fehlende Schüler, Video, König Fußball, Srtubhjkrzs.

Is’ mal wieder soweit. Also: ab geht die Post!

Châtoh & Paris im Frühling

Ich hatte mal wieder Besuch in Paris (Gruß an dieser Stelle nach Osnabrück und Halle/Saale). Da hier langsam das Wetter besser wird, beschlossen wir, dieses auszunutzen und am Mittwoch nach Versailles zu fahren. Warum auch nicht; große, schlammige Gärten schaut man sich am besten dann an, wenn es nicht regnet...

So kam es dann auch, dass wir im Gare d’Austerlitz (ich glaube, ich jhabe mich mal versprochen und ihn „Gare de Waterloo“ genannt – aber das war wohl was anderes :-) ) standen und des RER nach Versailles Rive Droite harrten.

Ich weiß nicht, ob wir großartig vertrauenserweckend oder einfach nur gut aussahen (oder wahrscheinlich standen wir nur gerade günstig da rum), jedenfalls näherten sich zwei Damen (jünger als ich) und fragten: „Château Versailles?“ Dabei betonten sie das „eau“ in „château“ wie das „oh“ in „oh dear“ oder „oh Lord“. Damit war klar, dass sie aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum kamen. Aus Michigan, wie sie bestätigten. Jedenfalls schienen sie ganz froh darüber, dass sie nette, gutaussehende, dynamische Deutsche trafen, denn danach hatten wir sie den restlichen Tag an den Hacken. Sie folgten uns artig durch den Garten von Versailles und das Schloss, und abends, als ich schon längst wieder zu Hause war mit meiner Unterrichtsvorbereitung für Donnerstag, machten sie noch mit meinem Besuch die Stadt unsicher.

OK, so schlimm war es jetzt nicht, nur irgendwann kam ich mit den Fremdsprachen durcheinander. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sie sich an uns wandten: Wir kannten Land und Sprache....!

Jedenfalls hatte ich dank des Besuches wieder einmal die Gelegenheit, Paris zu erkunden. Am Freitag war das Wetter bis zum Nachmittag daneben, so dass wir ins Musée d’Orsay gegangen sind. Als wir wieder rauskamen, schien die Sonne. Und seitdem ist es auch schön hier: wir haben knapp unter 20 Grad, die Sonne scheint, es riecht nach Frühling. Und bei so einem Wetter macht es auch Spaß, auf den „großen Bogen der Verteidigung“ (La Grande Arche de la Défense) zu fahren und den Blick auf Paris zu genießen...

Fehlende Schüler

Haben Schüler Rechte?

Ganz klar: nein! :-)

Zumindet nicht das Recht zu streiken. Dennoch tun sie es: Und zwar haben am letzten Donnerstag die drei, die eigentlich bald mündliches Abi in Deutsch haben, beschlossen, die letzte Stunde im Lycée ausfallen zu lassen.

Schon wieder.

Nachdem sie das ja schon einmal bei mir gebracht haben (siehe Eintrag von anno dazumal), haben sie es jetzt auch meiner Lehrerin gebracht.

Naja, damit schneiden sie sich ja eigentlich nur ins eigene Fleisch. Mir war’s ganz recht... Ich konnte eine Stunde früher nach Hause!

Video

A propos Schüler: Langsam beginne ich mich zu fragen, wo ich hier gelandet bin. Auch am Collège spinnen sie jetzt! So wurde mir gestern Unglaubliches zugetragen: Ein Lehrer, der wie ich an beiden Schulen arbeitet (aber mehr Stunden hat als ich und wahrscheinlich auch besser bezahlt wird) sagte, dass es sich zugetragen habe, dass ein Schüler (16 J.) eine Freundin hat. OK, soweit nichts Ungewöhnliches. Pikant dabei ist lediglich, dass sie 13 ist. Hm. Das sieht das Lehrerauge doch schon etwas skeptischer. Und dieser Schüler hat seine Freundin zum „Fellatio“ überredet. Da schrillen doch schon die Alarmglocken!

Aber der Hammer kommt noch.

Denn dummer, dummerweise haben sie sich dabei mittels Handykamera filmen lassen... Und dieses Video blieb nicht auf dem einen Handy des „Kameramannes“, sondern verteilte sich, nicht unähnlich einer Pilzinfektion peu à peu in der Schule, von Handy zu Handy. Welche natürlich verboten sind.

Schon bescheuert, sowas. Wie sagte Einstein so schön: „Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: das Universum und die menschliche Dummheit. Obwohl: beim Universum bin ich mir nicht sicher.“

Aber sehen wir es von der guten Seite: So wie ich die Qualität von Handykameras einschätze, wird man soviel nicht erkennen können... (Autsch, was bin ich heute wieder zynisch!)

König Fußball

Mein englischer Kollege und ich sind dabei, ein Fußballfreundschaftsturnier zu organisieren. Und zwar sollen seine Schüler (1. Fremdsprache Englisch) gegen meine (1. Fremdsprache Deutsch) antreten. Mit etwas Glück bekommen wir auch noch eine Lehrermannschaft zusammen. Wir haben das jetzt schriftlich ausgearbeitet und legen den Antrag zur hoffentlichen Genehmigung demnächst der Direktorin vor.

Natürlich werdet Ihr auf dem Laufenden gehalten.

Srtubhjkrzs

Kennt Ihr dieses Wort: „Srtubhjkrzs“?

Nein?

Oder könnt Ihr vielleicht folgenden Satz verstehen: „Skf bùg;z kmlkbjsdgmrrjg!“

Auch nicht?

Wie steht’s damit: „Conflans – Fin d’Oise“. Gut, lesen kann man’s, gell? Und sooo wichtig ist dieser Ort auch nicht, dass man unbedingt wissen müsste, dass das die RER-Station hinter Achères ist.

Aber man kann es lesen.

Für alle diejenigen, die das nicht können, weil sie Analphabeten sind (wie trennt man denn das Wort? Doch wohl nicht nach der 2. Silbe, oder?!) sieht es dann aus wie eine sinnlose Aneinanderreihung von komischen Symbolen. Ich zitiere dazu aus der grandiosesten Serie aller Zeiten, den Simpsons:

Skinner als Pharao: „Lies mir doch mal vor, was wir bis jetzt haben, Krabapatra.“
Krabapatra: „Vogel, Vogel, großes Auge, Pyramide, Vogel.“
Skinner: „Hmm, ausgezeichnet... Ähm, großes Auge, toter Fisch, Katzenkopf, Katzenkopf, Katzenkopf, ein Typ der ‚so’ da steht...“

(Quelle: Springfield Shopper).

Wie ich darauf komme ? Ach ja, heute hat mich zum 2. Mal hier jemand angesprochen und gefragt, wie man zu diesem Bahnhof kommt und drückte mir einen Zettel in die Hand. Ich gehe davon aus, dass er nicht lesen oder schreiben konnte, denn die Stationen sind ja im Zug überall ausgeschrieben.

Aber da bemerkt man erst, dass man die banalsten Sachen nicht machen kann, wenn man des Lesens nicht mächtig ist...

Ende

Das wär’s aufs erste. Ich bin hundemüde, muss aber erst noch ein bißchen arbeiten. Spannend wird es um 16.30h. Da habe ich die Seconde 1. Fremdsprache, bei der es neulich die rote Karte gab. Besonderheit: Ich habe heute die gesamte Klasse. Alleine.

Ich sage nur: Aux armes, citoyens!

Gruß,


Monsieur
13.3.07 11:12


Die 19. Woche (06. Mrz.)

Dienstag, 06. März. 136. Tag: Kurz & knapp.

10:00 Uhr.

Seit letztem Donnerstag bin ich wieder zurück in Frankreich, nachdem ich fast zwei Wochen in Deutschland war. Daher gibt es auch nichts Aufregendes aus „der erstaunlichsten Stadt des Universums“ (Goscinny) zu berichten.

Ich könnte höchstens erwähnen, dass es mehr Spaß macht, durch unterirdische, überfüllte Métrobahnhöfe zu laufen, während der MP3-Player „Enter Sandman“ von Metallica spielt. Ist eine ganz witzige Erfahrung, man fühlt sich wie in einem Ballerspiel... :-)

Der Countdown läuft, mir bleiben noch sechs Wochen in dieser Stadt und an diesen Schulen.

A la prochaine,

Monsieur l’assistant
6.3.07 10:05


Die 18. Woche (13. Feb.)

Dienstag, 13. Februar. 128. Tag: Diegos Duellanten, Dienstag, Donnerstag, Deutschland.

10:30 Uhr.

Und wieder ein Eintrag... Der letzte vor den Ferien, vorerst der letzte aus Frankreich! Und wieder eine Alliteration...!

Diegos Duellanten

Das Spiel Frankreich – Argentinien (daher Diego Maradonnas argentinische Landsmänner im Duell gegen Frankreich) war ja wohl nicht so der Bringer. Argentinien schießt nach 15 Minuten das 1:0, und das ist dann auch der Endstand... Dementsprechend waren die Zeitungen auch der Meinung, dass Frankreich noch einiges an Arbeit vor sich hat... Ich bin im Nachhinein froh, dass ich doch nicht da war!

Ich bin dann auch am Donnerstag nicht breit grinsend durch die Gegend gelaufen, denn erstens hatte ich ja auf 3:0 für Argentinien getippt (1:0 wäre vielleicht mein Halbzeittipp gewesen), und zweitens wollte ich nicht noch irgendwelchen Unmut auf mich ziehen...

Dienstag

Sportlich ging es jedenfalls schon am Dienstag zu.

Ich hatte erzählt, dass ich Schiedsrichterkarten kaufen wollte (was nicht klappte). Aber hatte ich auch erwähnt, wozu ich die brauche? Ich weiß es nicht, deswegen hier eine kurze Erklärung: In meinen lauten Klassen habe ich die Schnauze voll; dass einige dauernd quasseln. Deswegen läuft das jetzt folgendermaßen:

Schüler quasselt: mündliche Verwarnung
Schüler quasselt weiter: gelbe Karte
Schüler quasselt immer noch weiter: rote Karte

Die rote Karte bedeutet nicht, dass er duschen gehen kann, sondern zum C.P.E., dem Conseiller Principale d’Education (holprig übersetzt etwa „Haupterziehungsberater“) geschickt wird. Der verhängt dann weitere Strafen (Nachsitzen etc.). Die Drohung hat eigentlich bisher immer funktioniert.

Eigentlich.

Bisher.

Am Dienstag kam dann der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte (frz.: „la goutte qui fait déborder le vase“). Ein Schüler holte sich erst seine mündliche Verwarnung ab, dann bekam er die gelbe Karte, und schließlich, als er weiter störte, sah erst ich rot, dann er.

Ich zeigte ihm also die rote Karte und verlangte, sein Schülerheft zu sehen, um ihn dann zum C.P.E. zu schicken. Da fing er doch tatsächlich an, mit mir verhandeln zu wollen!!! Er setzte sich von sich aus ganz noch hinten und versprach ruhig zu sein! Ich habe mich nicht darauf eingelassen. Ich hatte die Regeln in der Stunde am Anfang nochmals wiederholt. Er kannte sie also, und er hat sie gebrochen. Ein Sechzehnjähriger ist meiner Meinung durchaus dazu in der Lage, in einem solchen Fall die Konsequenzen abzuschätzen – und zu tragen.

Der Schüler ist letztlich also beim C.P.E. gelandet. Welche Strafe die Dame ihm dann aufgebrummt hat, weiß ich nicht. Es ist mir auch (ehrlich gesagt) schietegal.

Denn für mich liegt der Hase in einem ganz anderen Pfeffer (häh?!).

Ich hasse es, solche Maßnahmen anzuwenden. Ich hasse es, dazu gezwungen zu werden, solche Maßnahmen anzuwenden. OK, wie gesagt, der Schüler kannte die Vorgänge und die Konsequenzen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich als „Lehrer“ (haha... eher als angehender Lehrer) versagt hätte. Ich meine, ich habe damals die rote Karte gebastelt, in der Absicht, sie nie benutzen zu müssen.

Ich meine, wenn ich wüsste, dass ich meine Freischüsse verbraucht habe, ich hätte meinen Schnabel gehalten! (Mündliche BWL-Püfungen klammere ich da jetzt mal aus...)

Jedenfalls war ich hinterher ziemlich sauer.

Aber vielleicht war es auch ganz gut, dass ich mal die ultima ratio angewendet habe, denn jetzt wissen die Schüler wenigstens, dass ich dazu auch in der Lage bin und es keine hohle Drohung ist. Trotzdem bin ich nicht sehr glücklich darüber. Wahrscheinlich muss ich mir als Lehrer da ein dickeres Fell zulegen. Ich meine, ich nehme es ja icht persönlich. Aber wenn die Schüler zu weit gehen, ist das nicht meine Schuld, oder?

Ich habe diese Klasse erst nach den Ferien wieder. Ich harre der weiteren Entwicklung.

Donnerstag

Auch dieser Tag war anstrengend für mich. Ich sollte alleine unterrichten, da meine Lehrerin an einer anderen Schule war und bei einem Projekttag oder so mitgeholfen hat. Die Schüler in der ersten Stunde waren kontrollierbar, da sie eine Klassenarbeit geschrieben haben.

Die Schüler in der 4. Stunde sollten eigentlich Referate vorbereiten, haben aber lieber Quatsch gemacht. Mir egal, dachte ich bei mir, entweder sie müssen es dann zu Hause nacharbeiten, oder sie kriegen das Resultat dann entsprechend in der Note mitgeteilt.

Die Schüler in der 6. Stunde waren nicht zu zähmen. Handylärm, Gequassel... ich hatte Kopfschmerzen, als die Stunde vorbei war. Auch ich konnte mich bei dieser Klasse nicht durchsetzen...

Die 8. Stunde fiel aus, weil die 3 Schüler, die ich hätte haben sollen, keinen Bock hatten und beschlossen nicht zu kommen. Das fand ich richtig Scheiße, denn natürlich hatte ich wieder etwas vorbereitet, um ihnen bei der Vorbereitung zum Abi zu helfen... An diesem Zeitpunkt wurde ich ein wenig grantig.

Als ich dann beschloss, nach Hause zu fahren, fing es genau in diesem Moment an zu regnen.

Das war nicht mein Tag – und er wurde nicht besser...

Abends lag ich dann mit dicker Erkältung im Bett... kein Wunder: Die letzten Tage hier waren kalt, nass, windig – absolut „iibah!“ halt. Und wenn man dann zusammengepfercht im RER steht, wo jeder zweite hustet, rotzt, schnieft, niest... und sich anschließend wieder an einer der Stangen festhält – nun, dann weiß man, wo man seine Erkältung herhat. Es ist ein wenig wie im Papstwitz: „Der Papst ist erkältet, aber sie wissen noch nicht, welcher Flughafen es war...“

Dieser Donnerstag war jedenfalls nicht mein Tag.

Deutschland

Wie eingangs erwähnt, sind ab Samstag wieder Ferien in Frankreich. Das heißt, dass ich wieder für ein paar Tage nach Deutschland zurückkehre. Am Freitag lande ich voraussichtlich um 10:15 Uhr in Hannover (vorausgesetzt, am Flughafen gibt es nicht wieder so ein Chaos wie vor Weihnachten). Die beiden Wochenenden werde ich wohl in Osnabrück verbringen, die Tage dazwischen bei meinen Großeltern, und am 01. März fliege ich wieder zurück nach Paris.

Da ich ab heute auch nicht mehr in meiner Wohnung bin, bitte ich, von Anrufen dort abzusehen. Ich bin in dringenden Fällen über meine bekannte französische Handynummer zu erreichen.

Das wäre es erst einmal wieder aus Frankreich. Wir sehen uns oder hören uns in Deutschland!

Liebe Grüße,


Ralf
13.2.07 11:34


Die 17. Woche (6. Feb.)

Dienstag, 06. Februar. 121. Tag: Weltmeister, Spam, Straßennamen, Kino & Klassenarbeit.

10:30

Es ist mal wieder soweit: es ist Dienstagvormittag, ich habe vier Freistunden und schreibe mal wieder was ins Blog...

Weltmeister

38, 78, 2007... ich habe es hier nur am Rande mitbekommen, dass in Deutschland ja die Handball-WM war. Allerdings sprachen mich ein paar Lehrer letzten Donnerstag auf das am Abend stattfindende Halbfinale statt – Deutschland gegen Frankreich. Ich freue mich; berichten zu können, dass ich mich am Montag keinerlei Anfeindungen ausgesetzt sah. :-)

Das Finale war dann am gestrigen Montag auch nur eine kleine Randnotiz im „Parisien“ wert, ein ungleich größerer Artikel wurde dem Spiel um Platz 3 gewidmet. Das schien ja laut „Parisien“ nicht so der Hammer zu sein...

Morgen ist das große (Fußball)Spiel Frankreich gegen Argentinien. Habe eben eine Karte bei eBay für 30 EUR entdeckt, mit Selbstabholung an der Défense... Ende der Versteigerung in 4 Stunden 45 Minuten, also gegen vier Uhr. Mal schauen, ob das klappt.

Spam

Am Freitag habe ich meine Mails abgerufen, am Samstag nicht. Am Sonntag hatte ich 31 neue Nachrichten auf meinem Computer! Und ratet mal, wie viele ich davon gelöscht habe.

Genau. Alle.

Inzwischen sind es 483 Nachrichten (plus diejenigen, die mein Spamfilter durchgelassen hat), die seit dem 06.01.07 aufgelaufen sind.

Lieber „Leroy“, „hmirror“, „avoid except“, liebe „Lolita“ und „Gertrude“ und so weiter. Ihr nervt. Ich interessiere mich nicht für „Brunette milf getting screwed“, Viagra oder Cialis (was ist das überhaupt) oder für irgendwelche Aktien, die ich unbedingt kaufen soll.

Wirklich nicht. Also lasst es. *nerv*

Straßennamen

Achères scheint ein sehr patriotischer Ort zu sein. Es gibt hier zum Beispiel eine „Avenue du Général de Gaulle“, eine „Avenue de Stalingrad“, eine „Avenue des droits de l’homme“ (Straße der Menschenrechte), eine „rue des Etats Gébéraux“ (Straße der Generalstände), einen „Place du 14 juillet“ und eine „rue du 8 mai 1945“. Ist ja alles schön und gut irgendwie.

Einzig die „impasse des Alliées“ (Sackgasse der Allierten) zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Bin das nur ich als Ausländer, oder warum finde ich den Namen witzig...?

Kino & Klassenarbeit

Da wäre ich doch beinahe wieder ins Kino gegangen. Diesmal geht eine Schulklasse in „La vie des autres“, das ist ein deutscher Film, der in Deutschland unter dem Titel „Das Leben der anderen“ lief und eigentlich viel hervorragende Kritik bekam.

Ein Lehrer fragte rum, wer denn noch interessiert sei, denn er bräuchte noch 3 oder 4 Lehrer, die mitkämen. Ich sagte, dass ich wohl Interesse hätte.

„Gute Idee!“ antwortete er und sagte, er würde darüber mit meiner Lehrerin sprechen.

Jetzt sieht es so aus: Sie geht mit dem Lehrer und der Klasse ins Kino, und ich mache ihren Unterricht. Was das jetzt wieder soll? Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich so glücklich bin über diese Regelung. Zumal ich mich irgendwie „aus dem Weg geräumt“ oder „übergangen“ fühle...

Donnerstag schreibe ich meine erste Klassenarbeit! OK, die erste, wo ich auf der Chefseite des Lehrerpultes sitze und Aufsicht führe. Auch so ein Glanzstück meiner Lehrerin. Da sie selbst an dem Tag weg ist, um an einem anderen Lycée beim „bac blanc“ auszuhelfen (was ja auch absolut legitim ist; wir hatten auch andere Lehrer hier), sollte ich ihren Unterricht übernehmen – was ich ja auch in der Regel sehr gerne mache.

Aber mir eine Klassenarbeit da reinzuknallen... nun, da bin ich noch nicht ganz so glücklich drüber. Zwar respektieren mich die Schüler im Unterricht, aber wie das bei der Klassenarbeit wird, weiß ich noch nicht. Ich werde hart sein, ich werde hart sein, ich werde....

Soviel erstmal von hier.

Liebe Grüße,


magister blogem


PS: Die Arbeit heir macht immer noch Spaß! (Mir ist eben aufgefallen, dass ich gar nichts darüber geschrieben hab, nur anderes belangloses Zeug...)

PPS: Und einen neuen Witz der Woche gibt es natürlich auch!
6.2.07 14:38


Die 16. Woche (30. Jan.)

Dienstag, 30. Januar. 114. Tag: Flirtende Verkäuferin, 114 + 8 x 2, Argentinien, der Maulwurf Grabowski, Abschiedsformel.

09:30

’nmorgen. Der heutige Eintrag wird wieder etwas kürzer, denn viel gibt es nicht zu berichten. Auf geht’s!

Flirtende Verkäuferin

Manchmal ist es hilfreich, sich ein paar Tage nach dem Tippen eines Eintrags diesen nochmal zu lesen. Erstens entdeckt man Tippfehler (ich sage nur: "französisches Keyboard"), und zweitens kann man seine eigenen Aussagen mit einem gewissen Abstand betrachten.

Zum Beispiel folgende Aussage: „...denn die Verkäuferin in dem einen Laden flirtete ein wenig mit mir rum (wenn auch erfolglos...)...“ . Im Nachhinein frage ich mich, ob sie wirklich so erfolglos war, denn ich bin mit zwei Hosen und einem Hemd für 220 EUR rausgegangen...

Ich lass das jetzt mal so im Raume stehen.

114 + 8 x 2

Wer bei dieser Formel jetzt „130!“ ruft, beweist, dass er die Rechenregeln beherrscht. Wer 244 herausbekommen hat, dagegen nicht.

Falsch sind allerdings beide Ergebnisse, das zweite wegen der Punktrechnung vor Strichrechnung, und das erste, weil ich nicht wissen wollte, wieviel das ist.

Ich war nämlich am Freitag in einem netten kleinen Club hier in Paris auf einer ... nennen wir es „Fisch sucht Fahrrad“-Party (auf Französisch höflich: „soirée célibataire“). Der Eintritt kostete 10 EUR, aber da war immerhin noch ein Getränk mit drin.

Am Eingang pappte mir dann jemand die Nummer 114 auf die Brust, etwas oberhalb meiner linken papilla mammaria. Das war also meine „Adresse“ für diesen Abend. Das Prinzip war relativ einfach: ein Typ mit einer Mütze von „La Poste“ lief umher, sammelte Nachrichten ein und verteilte sie und spielte so eine Mischung aus Amor und Venus. Dann schaute ich mich erstmal um.

Die 113 tanzte mit freiem Oberkörper, konnte sich das allerdings auch leisten.

Die 029 stand mit Anzug und Krawatte am Tresen und schien mangelndes Selbstbewusstsein und mangelnde Jugend durch vorgetäuschten Wohlstand wettmachen zu wollen. (Mann, bin ich heute wieder fies...! Böser Ralf!)

Die geringste Zahl, die ich fand, war (James Bond?) 007. Konnte man aber erst entdecken, wenn man sich einem Archäologen gleich in die tieferen Schichten des Clubs „durchgrub“.

Die 111 hatte um halb zwei, als ich dort eintraf, entweder bereits aufgegeben oder war schon erfolgreich wieder abgedampft, denn nur noch das zertrampelte Schildchen auf dem Fußboden wies auf dessen frühere Anwesenheit hin.

Mir persönlich gefiel die 120 am besten, hatte tolle Augen, mit denen ich allerdings keines Blickes gewürdigt wurde.

Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert bis ... ich weiß es gar nicht mehr... vier Uhr oder so? Danach suchte ich mir ein Taxi und fuhr nach Hause. Ich stellte fest, dass Taxifahren hier gar nicht soooo teuer ist, wie befürchtet: 10 EUR vom Louvre bis zu meiner Haustür ist sicherlich noch erträglich...

Auf alle Fälle muss ich noch erklären, was die 8 x 2 zu bedeuten hat: Ich habe einen neuen Bierpreisrekord aufgestellt! 8 EUR für eine 0,33l-Flasche Heineken! Boom, Baby! Eine war ja im Eintrittspreis mit drin, weswegen der nominelle Eintritt auch „nur“ 2 EUR betrug. Aber die anderen beiden Flaschen für insgesamt 16 EUR... Ich weiß ja nicht. Wenn ich in Osnabrück an einem Abend 32 Mark (!!!) für Alkoholika und 20 DM (!!!) für Eintritt ausgebe, bin ich normalerweise nicht mehr dazu in der Lage, ein Taxi zu organisieren.

Falls das hier zufällig ein BWL’ler lesen sollte, möchte er mir bitte mal die Gesetze des Marktes erklären. Gibt es hier solche Preise, weil die Kosten für den Produzenten so hoch sind, oder weil die vorhandende Klientel dazu bereit oder in der Lage ist, solche Preise zu zahlen?

Für diejenigen unter Euch, die jetzt vielleicht wissen wollen, ob ich auch Post bekommen habe: nun, ein Gentleman genießt – und schweigt. :-)

Argentinien

Morgen in einer Woche ist das Freundschaftsspiel Frankreich – Argentinien im Stade de France. Ich fürchte, ich werde doch nicht hingehen, denn die billigsten Karten (20 EUR) sind ausverkauft, ebenso wie die zweitbilligsten (40 EUR). Jetzt in diesem Moment gibt es noch 2.456 Karten à 55 EUR und 1.362 Karten à 75 EUR.

Mal schauen. Vielleicht finde ich irgendwo eine Premiere Sport-Bar?

Schade, wär interessant gewesen. Mein Tipp: 3-0 für Argentinien. Sämtliche Franzosen wollen das nicht hören.

Der Maulwurf Grabowski

Eine Richtigstellung zum Schluss noch: Ich habe letzte Woche fälschlicherweise geschrieben, dass der Pressesprecher der DDR, der am 09. November unbeabsichtigt die Grenze öffnete, Graboswki hieß. Das ist natürlich falsch. Der Mann hieß Günter Schabowski.

Grabowski dagegen hieß der kleine Maulwurf, der sich durch den Boden einer Kindergeschichte buddelt und mit seiner Nase von unten gegen einen Bagger stößt.

Ich bitte, diesen Fehler zu entschuldigen.

Aber das hat niemand bemerkt. Vielleicht, weil es auch niemand gelesen hat? Jedenfalls hat mir niemand eine Mail mit einem Hinweis darauf geschickt... :-)

Abschiedsformel

Tschüß,


Ralf
30.1.07 10:22


Die 15. Woche (23. Jan.)

Dienstag, 23. Januar. 107. Tag: Kino („Kebab Connection“), Klamottenkauf, Kyrill, des letzten Kaisers Konzertsaal, Konrads Kontrakt mit Karl, Kunst- und Kulturzentrum, des Künstlers Kontraktablauf.

10:40 Uhr.

„Nanu? Zwei Wochen sind vergangen, ohne dass Ralf etwas in sein Blog gestellt hat? Ist er krank? Ist etwas passiert? Oder wird er einfach nur schlampig?“

Ich weiß, dass Euch diese Fragen unendlich gequält haben müssen in den letzten Tagen, deswegen will ich auch gleich dieses Mysterium aufklären: Ich konnte letzte Woche nichts hier reinschreiben, da ich nicht im Collège war. Wir haben nämlich mit der Première vom Lycée einen Klassenausflug gemacht ins Kino im Nachbarort Conflans, wo der deutsche Film „Kebab Connection“ im OmU lief. Kennt Ihr denn Film? Wenn nicht, unbedingt anschauen. Ist urkomisch! Und ich habe eines gelernt, was ich vorher für unmöglich hielt: Es ist möglich, Julius Cäsar und Dieter Bohlen in einem Satz zu nennen! :-)

Auch ansonten ist einiges passiert, von dem ich kurz berichten möchte. Wie immer naütrlich in chronologischer Reihenfolge.

Nachdem wir also am Dienstag mit den Kiddies im Kino waren, habe ich den Mittwoch genutzt, um im Winterschlussverkauf in Paris ein paar tolle Klamotten zu kaufen. Und es war richtig gut für’s Ego, denn die Verkäuferin in dem einen Laden flirtete ein wenig mit mir rum (wenn auch erfolglos...) und meinte, als ich eine Hose anprobierte: „Vous avez le corps d’un mannequin! – Sie haben den Körper eine Models!“ Ich errötete zart und wehrte ab. Guuuut, zugegeben, ich habe vielleicht das eine oder andere Kilo hier verloren – aber zum Mannequin fehlt mir noch ein wenig die... ähm, wie sagt man? Die feine Betonung der Muskeln? Ach, Scheiß drauf, ich habe kein Sixpack! Jedenfalls habe ich viel Geld in tolle Klamotten investiert. Ich denke, dass sich das gelohnt hat.

Was war denn da bei Euch in Deutschland los? Hat Euch Kyrill die Dachpfannen, Äste und Autos um die Ohren gepustet? Sturmwarnung an allen deutschen Küsten von Nordsee bis Ostsee und Bodensee? Der Untergang des christlichen Abendlandes? Die Bahn hat absichtlich den Verkehr eingestellt? (So wie Grabowski und das Politbüro auch absichtlich die Mauer am 9. November geöffnet haben, was?)

Ay, hombres, ¿qué pasa?

Alle redeten jedenfalls von dem Sturm, der über Deutschland fegte – erst über den meteorologischen, dann über den metaphorischen, den Sturm der Entrüstung. Hier in Frankreich, von den Gipfeln des Montmartre aus, stellt sich das Ganze so da:

1) Es war windig.
2) Es war sogar so windig, dass in Teilen Ostdeutschlands mehrere Stunden lang der Strom ausfiel, wie mir aus verläßlicher Quelle zugetragen wurde. (Wenn ich jetzt zynisch wäre, würde ich fragen, wo denn die Milliarden hin sind, die in die ostdeutsche Infrastruktur geflossen sind. Aber ich bin ja nicht zynisch. Deshalb frage ich auch nicht. Das wäre ja unsozial. Nachher machen die noch eine soziale Bewegung.)
3) Es war anscheinend sogar so windig, dass die Bahn aus „Sicherheitsgründen“ gesagt hat: „Züge fahren heute nicht mehr, Party auf dem Bahnsteig!“

Der SPIEGEL ließ sich auf seiner Internetseite zu gleich drei (!!!) humoristisch angehauchten Artikeln hinreißen (unbedingt nachlesen unter www.spiegel.de/spam/). Die beste dabei war die Meldung, dass sich die Bahn „mit sofortiger Wirkung aus den Geschäftsfeldern Personen- und Güterbeförderung“ zurückziehe. Nach der „gelungenen Generalprobe“ durch Kyrill, will man sich nun „auf das eigentliche Kerngeschäft konzentrieren“.

Was ist denn das „eigentliche Kerngeschäft“ der Deutschen Bahn AG? Die Antwort darauf findet Ihr unter diesem Link.

Hier in Frankreich war es zwar auch etwas windiger als sonst, aber sonst ist mir hier nichts zu Ohren gekommen von wegen Sturm oder Orkanwarnung. Hier wird dann einfach gestreikt – äh, ich meinte natürlich, eine soziale Bewegung gestartet.

Das nächste „K“ in meiner alliterarischen Liste steht für „des letzten Kaisers Konzertsaal“. Der letzte französische Kaiser war Napoleon III., ein Neffe des großen kleinen Napoleon I. Dieser ließ in Paris eine neue Oper bauen, nachdem die alte von einem italienischen Separatisten mittels dreier Bomben zerstört wurde. So kam Paris wu seiner berühmten „Opéra Garnier“ (benannt nach ihrem Architekten Charles Garnier). Das ist ein wirklich wunderschönes Gebäude, welches man tagsüber besichtigen kann. Der Jokus kostet zwar 7 oder 8 EUR für Reiche (und Erwachsene) und 4 EUR für Studenten, ist aber sehenswert. Das eine oder andere Foto davon werde ich in absehbarer Zeit ins Netz stellen.

Tragische Ironie des Schicksals: Napoleon III. hatte nie die Gelegenheit, diese Oper zu benutzen; er starb 3 Jahre vor der Fertigstellung im Exil in London. Irgendetwas Großes muss um 1870/71 dazwischen gekommen sein...

Das „Kunst- und Kulturzentrum“ ist einfach eine etwas holprige Alliterisierung vom Centre Pompidou. Ich muss ja zugeben, dass ich das Ding immer pottenhäßlich fand. Irgendwie passte der Bau in meinen Augen nicht zu diesem Viertel.

Jedenfalls war ich mit Freunden verabredet, am Samstagabend im Marais zu feiern. Ich bekam am Freitag eine SMS etwa folgenden Inhalts: „Demain conférence piano rogers au centre pompidou, on se rencontre à 17.30 à l’entrée principale!“ Ich übersetzte die Nachricht mit „Klavierkonferenz im Centre Pompidou, Treffen 17.30 Haupteingang“. Ich war mir nicht ganz sicher, was ich mit dem Wort „conférence“ in diesem Zusammenhang anfangen sollte, dachte aber an eine Art Konzert.

Mit dieser Erwartung ging ich also dort hin. Als um 17.45 Uhr (!!!) die Architekten, mit denen ich verabredet war, dort auftauchten, wurde mir erklärt, dass eine „conférence“ ein Vortrag sei, und dass es kein Klavierspiel gäbe, sondern dass Renzo Piano und Richard Rogers die Architekten seien, die dieses Ding gebaut haben. Es war ein gewisser Dämpfer für mich – wie gesagt, ich finde das Ding häßlich...

Ich will’s kurz machen. Der Vortrag war aufgezogen wie ein „Literarisches Quartett“ im Telekolleg, aber die Anekdoten der beiden Architekten waren ganz witzig („Wir wurden von den Parisern mit Tomaten beworfen!“). Und noch etwas habe ich gemerkt: Architekturstudenten und junge Kunstinteressenten – irgendwer faselte was von „Nouvel Art“ – tragen alle dunkle Klamotten und schwarze, rechteckige Brillen...

Nun zu „Konrads Kontrakt mit Karl“. Konrad, das ist der ehemalige Bundeskanzler Konrad „Kölle Allaf“ Adenauer, der am gestrigen Tag vor 44 Jahren einen Vertrag mit seinem guten Freund Karl von Gallien (Charles de Gaulle) unterzeichnete: den sog. Deutsch-Französischen Vertrag oder Elysee-Vertrag. Deswegen war gestern auch der Tag der deutsch-französischen Freundschaft. Ich persönlich habe nicht allzu viel davon mitbekommen (es hat mir auch keiner seinen Platz in der Metro angeboten). Eigentlich wollte ich auch ein bißchen was am Lycée machen, was aber daran scheiterte, dass dort gerade das „bac blanc“ läuft – das Vorabi quasi. Die Schüler der Terminale haben Prüfungen wie im richtigen Abi. Tragisch... konnte ich leider nichts machen...

Zu guter Letzt zu „des Künstlers Kontraktablauf“. OK, ist etwas hochtragend, is’ ja gut. Der Künstler, nun, das bin ich; ich brauchte noch ein „K“. Ich werde im Februar wieder kurz in Deutschland sein, und zwar in der Zeit vom 16. Februar bis 01. März. Größtenteils wohl mit der Familie, aber auch kurz in OS für ein Wochenende. Danach bin ich bis Ostern wieder hier. Dann geht das Studium in OS weiter.

Soweit das neueste Update!

Liebe Grüße,


der „Künstler“
23.1.07 12:26


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